Ein bisschen Don Giovanni bleiben
Herr Jenis, die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.
Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich womöglich nahe?
Zugegeben, ich habe ein paar Idole, wenn es um Stil und Phrasierung, um Musikalität geht, die Art des Ausdrucks.
Aber grundsätzlich ist meine Farbe meine Farbe und nicht die Kopie einer anderen. Ich will niemals jemanden imitieren. Das wäre gefährlich. Es ist für mich entschieden besser, so zu singen, wie ich empfinde, dass es richtig ist.
Wie würden Sie selbst Ihre Stimme beschreiben?
Schwer zu sagen. Ich habe lediglich ein Gefühl, wie ich klinge, mehr nicht. Und wenn ich meine Aufnahmen anhöre, bin ich zuweilen überrascht, auch positiv. Das geschieht häufig dann, wenn ich während der Vorstellung ein schlechtes Gefühl hatte. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Grundsätzlich würde ich mich als lyrischen Bariton mit einer Tendenz und Neigung zu Verdi beschreiben.
Mit dramatischem Anteil?
Ja. Viele Jahre lang habe ich – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Erstaunlich ist es schon. Da ist, seit nunmehr sechzig Jahren, ein Werk in der Welt, das zu den tiefgründigsten, vielschichtigsten, erschütterndsten Zeugnissen seines Jahrhunderts zählt, und doch erklingt es auf den Opernbühnen selten nur. Ein Grund für das mangelnde Interesse an Dallapiccolas «Il prigioniero» liegt womöglich in der Schwierigkeit, ein passendes...
Ein Volltreffer («La Juive»), eine szenisch aufrüttelnde Produktion («Der fliegende Holländer») und zwei musikalisch halbwegs gelungene Abende («Les Troyens», «Idomeneo») bilden die nicht gerade üppige Bilanz der diesjährigen Stuttgarter Saison, die zum Spielzeitende mit Rossinis französischer Buffa «Le Comte Ory» den Tiefpunkt dessen erreichte, was man an diesem...
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...
