Wie in Tance
Es ist noch nicht lange her, da galt das Heimatland einer Montserrat Caballé, eines Alfredo Kraus und José Carreras vor allem als Belcanto-Hochburg. Wie unzutreffend dieses Klischee und wie sehr Spaniens Opernszene inzwischen in Bewegung ist, beweisen nicht zuletzt die führenden Häuser in Madrid, Barcelona und Valencia. Mit ihren jüngsten Premieren spannen sie einen Bogen von Monteverdi über Gluck und Puccini bis zu Benjamin Britten. Zeit für einen konzentrierten Blick auf die iberische Halbinsel.
Der Anfang ist pure Magie: Geburt des Theaters aus Feuer und Fanfaren.
Mit einer «Rheingold»-haft aus dem Nichts aufsteigenden Realisation der «Orfeo»-Toccata starten William Christie und Pier Luigi Pizzi ihren mit Venedig koproduzierten Monteverdi-Zyklus am Teatro Real Madrid. Eine kriegerische Trommler-Kadenz weht wie von Ferne heran, ehe Reflexe flackernder Fackeln die stockdunkle Szene mit der prometheischen Gabe beleben und der Mantuaner Herzogspalast zu den Klängen der Gonzaga-Hymne märchenhaft aus dem Boden wächst. Erst allmählich wird man gewahr, dass sich Feldposaunisten und -trompeter (die fabelhaften Sacqueboutiers de Tolouse) zur Nachtwache im Palasthof versammelt haben, um ...
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Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Schlaglicht Spanien, Seite 20
von Boris Kehrmann, Jürgen Otten, Jörg Königsdorf
Wäre ich allmächtig», sagt die Titelfigur in «Jakob Lenz», Wolfgang Rihms frühem Geniestreich, «ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten!» Er spricht uns aus der Seele, der arme Dichternarr. Wären wir allmächtig, wir würden die vielen tausend Toten in China nicht zulassen, auch nicht die Ungerechtigkeit der Welt, die Raffgier, die Aggression,...
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...
Die alte Dame sitzt mit größter Disziplin in ihrer Loge. Fast jeden Abend. Rosenwangig, mit großen Augen und alterslosem Kindergesicht verfolgt sie, was sich unter ihrer Schirmherrschaft an neuen Stimmen unten auf dem Podium tummelt. Sogar bei der ersten Runde, als aus fast zweihundert Kandidaten per DVD ausgewählt wurde, wer überhaupt zu Brüssels großem...
