Liebe in den Zeiten des Todes
Traumwelt: Welt der Verdrängung, des Subtextes, der Reise in Vorzeiten. Wie es sich anfühlt, diese Welt zu betreten, hat der Philosoph Christoph Türcke höchst anschaulich formuliert.
Sich auf den Traum einlassen, schreibt er gleich zu Beginn seines faszinierend eigensinnigen Buches «Die Philosophie des Traums», «heißt in den Untergrund gehen: allen festen Halt preisgeben, den das Establishment eingeschliffener Sitten und Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Denkformen zu bieten pflegt, und abtauchen in jene Vorzeit, jene disparate, diffuse halluzinatorische Empfindungs- und Bilderwelt, aus der menschliche Kultur sich einst mühsam erhoben hat».
In solch einer flirrend-verrätselten Welt lebt Paul, der Antiheld aus «Die tote Stadt». Er lebt in der Vergangenheit, in der seine Angebetete Marie noch lebendig war. Nicht eine Sekunde will es dem jungen Mann gelingen, diese Welt und ihre weibliche Magie zu verlassen. Er hat sich in ihr eingenistet wie in einem Museum der Erinnerung.
Kasper Holtens fantasiereich-schwärmerische Inszenierung an der Finnischen National-
oper erzählt davon. Sie erzählt die Oper als Allegorie eines Totenkults, als Allegorie aber auch einer bis weit über den Tod hinaus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Die Opern von Alexander von Zemlinsky und Walter Braunfels teilen in mehrfacher Hinsicht ein gemeinsames Schicksal. Von den Nazis aus den Spielplänen verbannt, von der Nachkriegs-Avantgarde als «altmodisch» verpönt, wurden sie erst seit den 70er Jahren nach und nach wiederentdeckt und haben sich mittlerweile im Repertoire der deutschen Bühnen einen bescheidenen...
Des Menschen wichtigster Sinn ist das Sehen. In der Oper werden, im besten Fall, Auge und Ohr gleichermaßen gefordert. Doch was ist, wenn das Visuelle so übermächtig wird, dass es der Musik im Wege steht? Ein konservativer Dirigent wie Marek Janowski zieht daraus die Konsequenz, den ganzen Wagner in der Berliner Philharmonie nur noch konzertant aufzuführen – um das...
Der Siegeszug Verdis über die Bühnen der italienischen Halbinsel seit Mitte der 1840er-Jahre hat nicht nur den späten Meisterwerken Donizettis, sondern auch den Opern der älteren Zeitgenossen Saverio Mercadante und Giovanni Pacini das Lebenslicht ausgeblasen. Ein gutes Beispiel dafür sind Mercadantes 1832 in Turin uraufgeführte «Normanni a Parigi». Trotz des mehr...
