Hören, hören, hören
Des Menschen wichtigster Sinn ist das Sehen. In der Oper werden, im besten Fall, Auge und Ohr gleichermaßen gefordert. Doch was ist, wenn das Visuelle so übermächtig wird, dass es der Musik im Wege steht? Ein konservativer Dirigent wie Marek Janowski zieht daraus die Konsequenz, den ganzen Wagner in der Berliner Philharmonie nur noch konzertant aufzuführen – um das Primat des Hörens zu sichern. Die Zeitgenössische Oper Berlin nähert sich dem gleichen Ziel von der experimentellen Seite – und geht dabei einen radikalen Schritt weiter.
Bei «Into The Dark» schaltet sie komplett das Licht aus und führt Musik in absoluter Dunkelheit auf.
Man kennt das von gewissen Restaurants, in denen die Gäste ihr Essen ebenfalls nicht sehen können. Aber was dort Event ist, soll im Kleinen Sendesaal des Funkhauses an der Nalepastraße der Kunst dienen. Wie hört man, wenn man wirklich nichts sieht, wenn der Ton unvorbereitet kommt? Wenn keine ablenkenden Bilder da sind? Kann man Raum und Theater allein durch Klang erzeugen? Regisseurin Sabrina Hölzer hat eine ähnliche Erkundung schon vor neun Jahren im Hebbel-Theater mit «Tragödia – der unsichtbare Raum» von Adriana Hölszky unternommen. Damals musste das ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Udo Badelt
Bei seinem Debüt als Opernkomponist ging Antonio Vivaldi umsichtig vor. Obwohl er bereits Erfahrung als Arienzulieferer für andere Komponisten besaß, wich der 35-Jährige nicht nur von Venedig ins nahe Vicenza aus, sondern suchte sich auch ein Stück von kammerspielhafter Dimension aus: Mit fünf Rollen, ohne Chor ist «Ottone in Villa» die kleinste aller...
Die Kriterien für eine «Opera Rara» erfüllt Rossinis 1819 uraufgeführte «Ermione» nur noch sehr bedingt: In mittlerweile drei Aufnahmen ist die «Azione tragica» erhältlich, neben der Pioniereinspielung Claudio Scimones von 1986 zeugen inzwischen auch noch zwei prominent besetzte DVD-Mitschnitte aus Glyndebourne und Pesaro von dem wiedererwachten Interesse an dem...
Auf dickbäuchigen, polierten Granitsäulen ruht das Gewölbe des Antwerpener Opernrestaurants, einer Mischung aus Ratskeller und Edelschwemme, Biergläser knallen auf verzinkte Tresen, man kann sich nur brüllend verständigen. Selbst nach einem großen Opernereignis wie Rossinis «Semiramide» – denn immer ist diese hypertrophe Herausforderung ans Stimmen- und...
