Larifari-Herrscher
Auch informierte Historiker hätten wohl nicht mit dem Interesse gerechnet, das der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren in Deutschland – wo das mahnende Gedenken an den Zweiten eine viel größere Rolle spielt – bei Medien und Publikum auslöste: Die alten und neuen Bücher zum Thema stapeln sich, Fernsehreihen, Ausstellungen, ja selbst Comics pointieren die radikalen sozialen und künstlerischen Umwälzungen, die der Krieg mit sich brachte.
Nur das Musiktheater steht außen vor – sieht man ab von Nebenwerken wie Walter Kollos Scharfmacher-Operette «Immer feste druff!» oder den Einakter «Christnacht 1914» vom ältlichen Engelbert Humperdinck. Doch wofür wurde die interpretierende Regie erfunden, wenn nicht für die Anpassung des Repertoires an aktuelle Befindlichkeiten – oder an Termine.
In Kassel hat Michael Schulz Strauss’ «Frau ohne Schatten» mit rigoroser Konsequenz als Weltkriegsdrama (bis hin zum rauchenden Gasangriff) inszeniert, wobei er immerhin auf die Entstehungszeit der Oper verweisen konnte. Diese historische Brücke verfängt im Falle von Giuseppe Verdis «Ballo in maschera» natürlich nicht. Und so waren die Parallelen, die die Regisseurin Katharina Thoma am ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Struck-Schloen
Hannover hat sich in den letzten Monaten aus der Geschichte Größe geborgt. Mit einer vielgestaltigen Landesausstellung und etlichen Kunstereignissen feiert man die Personalunion mit Großbritannien. Oder wie es der Titel der Ausstellung allen Nichthistorikern erklärt: «Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714 – 1837». Vor 300 Jahren bestieg der Kurfürst aus...
Sie wütet und weint, kämpft und klagt. Hin- und hergerissen zwischen Hass und Liebe ist diese Zauberin. Ihr schlimmster Feind, der Kreuzritter Renaud, wird zu ihrem Liebhaber, der sie am Ende wieder verlässt. Gluck verleiht der Titelfigur seiner Oper «Armide» große emotionale Tiefe. Miriam Clark kostet mit ihrem beweglichen, runden Sopran jede Nuance dieses...
Ein kühler Herbstbeginn in Österreichs Metropole. Passend dazu Tschaikowskys «Charodeyka» («Die Zauberin») im Theater an der Wien. Schon das Vorspiel dieses Werks tauscht die scharfkantige Helle des Sommers ein gegen ein trüberes Licht, das bereits die Kürze der Wintertage in sich trägt. Und deren Schwermut. Der Lebensfreude, die der Chor zu Beginn des ersten Akts...
