Kranke Gegenwart, Wirres Barock
Thomas» ist bereits die zweite Oper, die die beiden Österreicher Georg Friedrich Haas und Händl Klaus nach «Bluthaus» 2011 (siehe OW 6/2011) als Auftragswerk für die Schwetzinger Festspiele geschrieben haben (Uraufführung: 24. Mai, besuchte Vorstellung: 28. Mai 2013). Ging es damals um das Drama eines sexuellen Missbrauchs, so handelt es sich diesmal um das Sterben und Weiterleben nach dem Tod eines Geliebten. Wenn man das Rokokotheater betritt, hat die Agonie im Krankenzimmer auf der Bühne (Bild und Kostüme: Vinzenz Gertler) bereits begonnen.
Oben im Klinikbett röchelt Matthias (Wolfgang Newerla) seine letzten Züge, die unten im Orchestergraben leise perkussiv untermalt werden. Am Bett stehen sein Freund Thomas (Otto Katzameier) und der Pfleger Michael (Kai Wessel). Die biblischen Namen sind nicht zufällig gewählt. «Es klingt», sagt der eine, «furchtbar» der andere. Banale Dialogsplitter, die erst dadurch, dass sie gesungen werden, die nüchterne Situation transzendieren und es ganz der Musik überlassen, in die Gefühle von Thomas einzudringen, dessen Perspektive langsam zu unserer eigenen wird.
Das Libretto hält sich mit dokumentarischer Genauigkeit an den Ablauf – der Arzt (Daniel ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: , Seite 76
von Uwe Schweikert
Kirchenbänke vor, Kirchenbänke auf der Bühne. Dazwischen der Graben mit dem großen Orchester. Die Gemeinde zunächst mit dem Rücken zum Parkett. Ganz hinten der Kinderchor. Am rechten Rand errichtete die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender ein haushohes Metallgerüst: viel Gestänge, dazu Stiegen und Podeste und das Kammerorchester auf der ersten Etage. Den...
Das Orchester ist hochgefahren, die Balustrade aufgesplittert. Kein Graben trennt Zuschauer und Sänger, und während die einen auf ihre Plätze eilen, halten die anderen Maulaffen feil. Ein Mozart auf Augenhöhe sozusagen, platziert vor allem auf den Seitenbrücken und dem Proszenium. Noch ist der Bühnenvorhang geschlossen, und das Publikum blickt darauf, als weite...
Puccinis Triptychon aus «Il tabarro», «Suor Angelica» und «Gianni Schicchi» ist kein «Ring des Nibelungen» mit eng verklammerten musikalischen Strukturen und dramaturgisch einheitlichem, weltdeutendem Zugriff. Musikforscher und Regisseure tun sich deshalb schwer, die unterschiedlichen Einakter überhaupt als drei Flügel eines Bildes zu begreifen – zumal auch...
