Kosmetik
Dass die neue Saison an der Met überhaupt wie geplant eröffnet werden konnte, ist eine gute Nachricht. Bis kurz vor zwölf drohte der erbitterte Tarifstreit das Haus lahmzulegen (siehe auch Seite 61). Um ein Haar hätte die Neuproduktion von Mozarts «Le nozze di Figaro» abgeblasen werden müssen. Richard Eyre orientiert sich in seiner Inszenierung an Jean Renoirs Filmklassiker «La règle du jeu» aus dem Jahr 1939. Doch offenbar haben sich der Regisseur und seine Ausstatter weniger von Renoirs virtuosem Spiel mit den Figuren als von der glamourösen 1930er-Garderobe inspirieren lassen.
Doch alle Histo-Eleganz kann nicht verbergen, dass Eyre Mozarts Personal vorwiegend mit abgegriffenen «Einfällen» auf die Pelle rückt. Da stellt Almaviva schon zur Ouvertüre einer barbusigen Bediensteten nach. Da wird – auch dies mittlerweile ein Regie-Klischee – die Hochzeit im dritten Akt mit der Kamera aufgezeichnet. Was da zwischen Blaublütern und Bürgerherzen hochkocht, Triebstruktur und soziale Konventionen der«Figaro»-Gesellschaft (man denke etwa an das Sujet des ius primae noctis, des Gutsherren «Schenkelrecht») blieben so unterbelichtet wie die meist im Schummerlicht gehaltene Bühne.
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 54
von David Shengold
Das alte Holz knarzt, die Treppenstufen geben leicht nach, trockene, würzige Luft zieht durch den Raum. Ein Raum, der im Wesentlichen noch so erhalten ist wie zur Entstehungszeit um 1680. Der Besuch im Ekhof-Theater im Gothaer Schloss Friedenstein ist ein Erlebnis für alle Sinne, für Augen, Ohren und Nase – und auch für die Hände, die behutsam über die Maserung...
«Friedenstag» ist die am wenigsten gespielte und zweifellos heikelste Oper von Richard Strauss. Uraufgeführt 1938, wurde sie sofort von der NS-Propaganda vereinnahmt, was angesichts des Sujets problemlos gelang. Der Kadavergehorsam eines Kommandanten, der seine belagerte Stadt aus Treue zum Kaiser lieber in die Luft sprengt, als sie dem Feind zu überlassen, dann...
Der eine ist gewissermaßen der legitime Genius Loci. Ein bisschen eingeklemmt zwischen Wank, Kramer und Wettersteingebirge, ein Talkessel mit hohen Tellerrändern, wo sich’s für Richard Strauss, dem immer mehr die Realität Negierenden, naturgemäß gut existieren ließ. Auch der andere Ort versteht sich, wie Garmisch-Partenkirchen mit seinem Komponisten-Festival, als...
