Killerspiel

Gent, Wagner: Siegfried

Opernwelt - Logo

Der «Ring»-Zyklus der Vlaamse Opera geht auf die Zielgerade zu. Und im Verlauf der dritten Etappe, im «Siegfried», ist nun deutlich geworden, dass Wagners Götter- und Menschensaga hier ganz im Bann der ­Cyber-Ära steht. Zur Erinnerung: Das «Rheingold» spielt in ­einer Server-Zentrale, der Schatz selbst ist ein Superchip. Wotan leitet eine Computerfirma, die wie Bill ­Gates die virtuelle Welt beherrscht. Auf der Verlierer­seite finden sich die Wälsungen, sie fristen – wie andere Ausgestoßene – ihr Dasein in einer U-Bahn-Röhre.

Oben und unten sind klar getrennt, wie in Wagners Zeiten.
Auch Siegfried gehört zu den Opfern dieser gnaden­losen, indifferenten Profitgesellschaft. Mime, sein liebloser Ziehvater, handelt mit gebrauchten, vermutlich gestohlenen PC-Teilen. Siegfried schlägt die Zeit in Chat­rooms tot, lernt dort die Techniken der Gewaltanwendung kennen, verliert nach und nach den Sinn für die Wirklichkeit. Mord und Totschlag sind für ihn ganz normal. Einmal richtet er den Lauf seiner Kalaschnikov auf eine Webcam – eine Drohgebärde, die sich auf zahlreichen Bühnenmonitoren vervielfacht. Auch auf Mimes Schirm taucht sie auf – und erschreckt ihn zu Tode. Es ist, als ob der junge ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Willem Bruls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Balance und Bodenhaftung

Herr Kaufmann, Sie haben jetzt ­einen Plattenvertrag bei einem großen Label. Jetzt geht es auf die Autobahn. Promotion, Konzerte. Wollen Sie das?
Wenn man einmal seinen Fuß da reinsetzt, dann muss man das machen. Ich habe mich lange gesträubt, einen solchen Vertrag zu unterschreiben, ich hatte schon öfters Gespräche, wollte es aber nie, wollte meine Projekte machen,...

König Alkohol

Schon mit seiner ersten Opernregie, Glucks «Orpheus und Eurydike» im Januar 2006, gelang dem gebürtigen Magdeburger Andreas Kriegenburg ebendort ein Coup. Er verlegte das Liebesdrama in eine Zwischenwelt aus Mythos und Moderne, zeigte Figuren von heute, die dennoch etwas Überzeitliches hatten und ihr Schicksal gleich mehrfach erleben mussten.
Auch das Personal von...

Donizetti: L’elisir d’amore

In den Wochen vor Weihnachten schätzen Opernhäuser vor allem ein Elixier: Das Geld soll in den Kassen klingeln. Meist suchen sie dieses Ziel mit einem zarten Lächeln und einem Schuss eska­pistischer Romantik zu erreichen. Das funktioniert normalerweise schon ganz gut, wenn «L’elisir d’amore» auf dem Spielplan steht. Doch diesmal ging die Royal Opera in London auf...