Donizetti: L’elisir d’amore
In den Wochen vor Weihnachten schätzen Opernhäuser vor allem ein Elixier: Das Geld soll in den Kassen klingeln. Meist suchen sie dieses Ziel mit einem zarten Lächeln und einem Schuss eskapistischer Romantik zu erreichen. Das funktioniert normalerweise schon ganz gut, wenn «L’elisir d’amore» auf dem Spielplan steht. Doch diesmal ging die Royal Opera in London auf Nummer sicher – und nahm obendrein «La Cenerentola» ins Angebot, als die Wirkung des Donizetti-Zaubers nachzulassen begann.
Das Elixier der «neuen», aus Paris importierten «Elisir» (wo man die Produktion im vergangenen Jahr für einen Bruchteil der Covent Garden-Tarife hätte sehen können) hat ungefähr so viel psychologische Zauberkraft wie die Vitamin- und Potenzpillen, die Doktor Dulcamara in rauen Mengen feilbietet: Sie lebt von Laurent Pellys Wohlfühl-Inszenierung, die über manche Störung der musikalischen Chemie hinweghelfen muss – auf der Bühne wie im Graben. Wie bereits bei seiner «Belle Hélène» an der English National Opera und seiner «Fille du Régiment» in Covent Garden siedelt Pelly die Handlung in der nahen Vergangenheit an. Nemorino-Land mutiert zu einem Tölpel-Paradies mit freier Fahrt für Traktoren und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Über das Leben vieler Nachkriegkomponisten wissen wir wenig. Zu nah ist ihre Zeit der unseren, zu präsent sind sie als Kommentatoren in eigener Sache, und gottlob ist mancher von ihnen noch schöpferisch tätig. So haben die Klassiker der seriellen Ära eines ihrer Ziele vorübergehend erreicht: Die Rationalität des Werks überstrahlt die Irrationalität des Urhebers....
Dass die Tschechow-Adaption «Drei Schwestern» von Peter Eötvös zu den momentan wichtigsten Werken des Musiktheaters gehört, zeigt sich nicht nur an der Zahl ihrer Aufführungen, sondern auch an den variantenreichen Möglichkeiten ihrer szenischen Realisierung. In Oldenburg führt Regisseurin Andrea Schwalbach das Stück, bedingt auch durch die Besetzung der als...
Wer bis vor Kurzem die Leipziger Oper besuchen wollte, stand vor verschlossenen Türen. Nicht theatrale Heroen und musikalische Helden, sondern solide Handwerker und künstlerisch begabte Innenausstatter brachten das Haus auf Trab (Kosten: 9,3 Millionen Euro). Jetzt erstrahlt es in neuem Glanz, mit aufgehübschten Wandfliesen aus feinstem Meißner Porzellan, hellerer...
