Ins Nichts
Das Elend dieses ganz und gar missglückten Opernabends zeigt sich ausgerechnet in seinem schönsten Moment. Da schleicht ein Plüschpuma auf die Bühne, mächtig wie ein Elefant, wild wirft er den Kopf, reißt das Maul auf und wackelt mit dem Schwanz. Warum bekommt das Vieh eigentlich keinen Szenenapplaus? Das Team der Theaterplastik hat sich selbst übertroffen, aber das Publikum ist zu sehr mit Staunen beschäftigt, zumal im rückseitig offenen Torso auch noch die beiden schwer arbeitenden Puppenspieler sichtbar werden.
Zwei Sätze, schon sitzt der bejubelte Jakub Józef Orliński dem Monster im Nacken und reitet es zum Angriff auf Babylon – oder in den nächsten Cirque du Soleil, wer weiß.
Der Puma kommt aus dem Nichts und verschwindet gleich wieder dorthin, und damit ist er das perfekte Maskottchen für Stefan Baumgartens Inszenierung, die eines vor allem ist: verschwenderisches Angeber-Theater. Auf der Bühne eine dunkle Stadtmauer mit einsamer Palme. Ein Rahmen für großformatige Kulissenprojektionen. Von der Decke saust immer wieder eine zweite Leinwand, darauf wird schon die Ouvertüre doppelt gebrochen mit einem Video, das die Entstehung eines Videos zeigt: Filmnebel, Lichtkegel, ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Clemens Prokop
Wenn er über Musik sprach, leuchteten die Augen. Seine und die seines Gegenübers. Karl-Dietrich Gräwe war der «Materie» gleichsam verfallen, und es gab nur wenige Experten, die das Phänomen Musik mit so großer Emphase und leidenschaftlicher wie sinnfälliger Begeisterung in Worte zu fassen vermochten wie er. 1937 in Bielefeld geboren, promovierte der studierte...
Die Bitte ist bündig, und sie ist unverhohlen drastisch: «Satan, herbei!», so prangt es auf dem winddurchtosten Banner vor dem Theater, und so steht es auch auf der Umschlagseite des Programmheftes zu Gounods «Faust». Verwundern darf dies nicht angesichts des maladen Zustands, in dem sich der tragische Titelheld anfangs befindet. Am Tropf hängt Doktor Faust, die...
JUBILARE
Sieghart Döhring kam im ostpreußischen Bischofsburg/Biskupiec zur Welt. Er studierte Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie in Hamburg und Marburg/Lahn, wo er 1969 mit einer Arbeit über die «Formgeschichte der Opernarie vom Ausgang des achtzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts» promoviert wurde. Von 1983 bis 2006 leitete er das...
