Gerettet und gerichtet
Die Bitte ist bündig, und sie ist unverhohlen drastisch: «Satan, herbei!», so prangt es auf dem winddurchtosten Banner vor dem Theater, und so steht es auch auf der Umschlagseite des Programmheftes zu Gounods «Faust». Verwundern darf dies nicht angesichts des maladen Zustands, in dem sich der tragische Titelheld anfangs befindet. Am Tropf hängt Doktor Faust, die Haare schlohweiß, das Krankenhemd zerknittert, die Seele vergiftet. Und Parkinson schüttelt ihn auch noch. So kann, so will er nicht weiterleben.
Doch die Hilfe steht schon bereit, in Gestalt eines geschniegelten, existenzialistisch schwarz gewandeten (und auch so klingenden) Méphistophélès. Einsam aber ist Valentin Anikin, einziger Gast in dieser Produktion, keineswegs. Fünf identisch aussehende Gehilfen assistieren ihm, was allein schon deswegen Sinn macht, weil sie – nachdem Faust, den Kwonsoo Jeon mit stupender Expressivität singt, seinen Verjüngungstrank zu sich genommen hat – ihn still und heimlich von seiner Perücke befreien, ihm einen schicken azurblauen Anzug mit weißem Hemd überstülpen und quasi im Vorübergehen noch die schöne Margarete als Traumbild vorführen können.
Also frisch in die Welt hinein mit den beiden ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten
Immer wieder diese Bilder, schwarzweiß: Ein junges Paar in der Küche, er liebkost sie, aus Zärtlichkeit wird nach und nach Gewalt, er drückt sie auf den Boden, will in sie eindringen, sie zieht ein Küchenmesser ... Nicola Raab reichert ihre Straßburger «Rusalka»-Deutung fortwährend mit projizierten Wasser-, Wald- und Wolken-Motiven an (Video: Martin Andersson)....
JUBILARE
Sieghart Döhring kam im ostpreußischen Bischofsburg/Biskupiec zur Welt. Er studierte Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie in Hamburg und Marburg/Lahn, wo er 1969 mit einer Arbeit über die «Formgeschichte der Opernarie vom Ausgang des achtzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts» promoviert wurde. Von 1983 bis 2006 leitete er das...
In der Berliner Staatsoper sieht man fast nur noch belanglos-dekorative Produktionen. Im Alten Orchesterprobensaal dagegen, Ort für kleinere Projekte, schießt man oft übers Ziel hinaus: Hier wird auf eine Weise experimentiert, dass man sich vor allem mit Rätseln konfrontiert sieht, mit einem Überschuss an Absichten, die szenisch selten genügend Schlagkraft...
