«Ich liebe das Risiko»
Herr Ainsley, Sie singen Monteverdi, Henze und Mozart, Lied, Oratorium und Oper. Gibt es auch etwas, was Sie nicht singen?
Ja, natürlich. Rossini interessiert mich einfach nicht, obwohl Rollen wie der Graf Almaviva eigentlich gut zu meiner schnellen Stimme passen würden. Aber für mich liegt das Problem im Charakter dieser Rollen: Das sind, wenn man von den späteren Stücken ab «Otello» absieht, meist nur Standardcharaktere. Und wenn ich eine Rolle singe, dann mache ich das, um mich mit meiner Persönlichkeit in die Facetten dieses Charakters einzufühlen.
Die Musik spielt also für Sie gar nicht die erste Rolle?
Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen interessiert es mich nicht, bloß schön zu singen oder nur wegen einer wunderbaren Arie in einer Oper aufzutreten. Bevor ich eine Rolle aussuche, schaue ich immer, wie viel Fleisch Text und Musik zusammen bieten, um daraus einen glaubwürdigen Bühnenmenschen formen zu können.
Das ist ein ziemlich schauspielerischer Ansatz.
Der stand bei mir schon seit jeher im Vordergrund. Mit sieben, acht hatte ich mir fest in den Kopf gesetzt, Balletttänzer zu werden, mit fünfzehn habe ich leidenschaftlich in einer Jugendtheatergruppe mitgespielt. Im Grunde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor gut dreizehn Jahren bot sie in der Pariser Opéra Bastille zum ersten Mal dem Publikum ihre bleich geschminkte Stirn: Robert Wilsons aufwändig-minimalistische und hochgradig stilisierte «Madama Butterfly». Eine Produktion, um die sich bald Häuser rund um den Globus reißen sollten. Bis dato wurde die Inszenierung des texanischen Bildtheatermagiers unter anderem...
Nach der Premiere hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender auf die Frage, ob man denn in Wien konservativer sei als anderswo, einen schönen Satz mit Nestroy-Qualität geprägt: «Die Wiener sind durchaus fürs Neue. Nur ändern darf sich nix.» Da aber nun Regisseur Barrie Kosky einiges an den gewohnten Topoi in «Lohengrin» zu ändern suchte, schien die Wiener Opernseele...
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde,...
