Radikale Seelenschau
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde, wie ein Sprecher des Ensembles in einer Erklärung vor ausverkauftem Haus verlautbart und die Theaterfreunde um ihre Mithilfe und ihren Protest gegen die Kantonspolitik bittet.
Opernalltag zur Jahreswende 2005/06.
Oder doch nicht? Was Michael Thalheimer in seiner nunmehr zweiten Operninszenierung (nach Janáceks «Katja Kabanova» in Berlin) offeriert, ist ein kleines Theaterwunder, eine verblüffend einsichtige Umsetzung von Verdis Tragödie bar jeglichen Realismus, als szenisches Oratorium auf schneeweißer, portalbreiter Guckkastenbühne (Henrik Ahr), die, perspektivisch verjüngt, noch um einen tiefer liegenden Raum nach hinten ausgeweitet werden kann. Ein Raum, in dem Zeit keine Bedeutung mehr hat als Dimension, in dem es nur noch eine bestimmende Größe gibt: Leere. Dieser «Rigoletto» ist ein Kammerspiel, das in seiner ...
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Den hundertsten Geburtstag von Anton Dermota (1910-1989) wollte die österreichische Firma Preiser wohl nicht abwarten, um den großen Tenor zu ehren, der mehr als vier Jahrzehnte lang Star und Stütze des Wiener Staatsopernensembles war. Auch der fünfundneunzigste erschien als ein guter Anlass, auf drei CDs Opern- und Liedaufnahmen des Sängers zu veröffentlichen,...
Ein (fast) leeres Bühnenhaus mit Hunderten kleiner Glühbirnen als schwebendem Himmel und einer Zugstange zum Sitzen, Schaukeln, Hangeln und Anlehnen; die Zuschauer auf einer Tribüne über dem Graben; zehn Musiker (mit Originalinstrumenten!) seitlich auf einer Empore; engagierte, musikalische Sänger; eine prägnante Regie und die präzise, lebendige, ausnehmend...
Die Opern Dallapiccolas gehören fraglos zu den bedeutendsten italienischen Beiträgen zum Musiktheater des 20. Jahrhunderts. Entsprechend gut ist das Œuvre des Komponisten durchforscht. Der 2002 vom Florentiner Mario Ruffini herausgegebene Werkkatalog war abgeschlossen – zumindest schien es so. Im vorigen Jahr jedoch entdeckte Ruffini im Fondo Dallapiccola ein...
