Höheres Spiel
Einst wurden im Musikunterricht die «deutschen Nationalopern» vermittelt: «Zauberflöte», «Fidelio», «Freischütz», «Meistersinger». Gemeinsam ist ihnen die alles entscheidende Prüfung, Bewährung, Probeschuss und -singen. Zudem sind sie, mit Ausnahme Wagners, «Singspiele»: Das gesprochene Wort gilt. Als Opern-Kanon-Gepäck des Bildungsbürgers hatte das Gewicht. Doch selbst musikinteressierte Vierzigjährige bekunden, die Werke wenig zu kennen und sich nicht allzu viel aus ihnen zu machen.
Man mag dies bedauern, muss es aber nicht, oder jedenfalls nicht nur: Schwindende Tradition kann auch Raum für Neues bedeuten. Zumal ältere Opernbesucher mitunter Erinnerungen an Ideal-Versionen verklären, die so hehr nicht immer waren. So ließ der Protest nach der Mannheimer «Freischütz»-Premiere fragen, welch heiliges Werk-Bild die Folie hierfür gewesen sein könnte. Denn dem musikdramaturgisch Disparaten mit Bild-Einheitlichkeit zu begegnen, ist Tradition, zumal seit Achim Freyers legendärer Stuttgarter Version 1980.
Nun hat wieder ein Künstler der Leipziger «Realisten»-Schule Webers Oper mit Bildern versehen. Hatte in Bonn 1993 Werner Tübke Motive seines riesigen Bauernkriegs-Rund-Panoramas in ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard R. Koch
Das Erste, was ins Auge springt: der weit auskragende Baldachin. Wie eine Muschel wölbt er sich über dem Eingangsportal. Ein Rocaille-Dach aus Glas und gusseisernem Rankenwerk, das kühn aus der Fassade wächst. Schmuck und Statussymbol, wie die steinernen Löwen links und rechts der Treppe, die ins Innere führt. Vom Gesims des Mittelrisalits schauen zwei geflügelte...
Über den Philosophen, Kulturkritiker und Politiker Wagner war im Wagner-Jahr viel zu lesen, über den Komponisten, den Musiker Wagner recht wenig. Zu den rühmlichen Ausnahmen gehört das Buch des Musikwissenschaftler-Ehepaars Melanie Wald und Wolfgang Fuhrmann, das sich mit der Leitmotivik einer zentralen ästhetischen Kategorie von Wagners musikalischer Dramaturgie...
Das Theater neu erfinden, mindestens! Irgendwie will Clara Hinterberger alles. Und zwar hier. Und jetzt. Irgendwie will sie aber auch gar nichts. Bei ihr gibt es alles gleichzeitig, gleichwertig, neben- und durcheinander. Anspruch und Attitüde. Chuzpe und Fatalismus. Hintersinn und Hilflosigkeit. Kunst? Leben? Liebe? Hass? Tod? Alles Material. Bausteine....
