Hinreissend verschroben

René Jacobs macht sich an der Berliner Staatsoper für Telemanns «Emma und Eginhard» stark – hintergründig inszeniert von Eva-Maria Höckmayr

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Fast immer wenn die Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim auf Frühjahrstour geht, wird Barockes aufgeführt, mit befreundeten Musikern im Orchestergraben, oft spektakulär: René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin heben Raritäten des 17. oder 18. Jahrhunderts ans Licht. Wie eben Georg Philipp Telemanns 1973 in Magdeburg erstmals wiederaufgeführte Oper «Emma und Eginhard», entstanden 1728 zum 50-jährigen Jubiläum der Hamburger Oper am Gänsemarkt, des ersten bürgerlichen Musiktheaters in Deutschland.

Eine lohnende Entdeckung: Das auf ein Libretto von Christoph Gottlieb Wend komponierte Stück nach dem niederländischen Versepos «Mandragende Maegt» von Jacob Cats und dem «Helden-Brief verliebter Personen von Stande» des Barockdichters Christian von Hofmannswaldau entpuppt sich als Meisterwurf des bis heute unterschätzten Opernkomponisten Telemann. Das hochemotionale und ironisch-feudalkritische Musiktheater mit seinem überbordenden Arienparcours kann trotz der Länge von dreieinhalb Stunden die Spannung halten.

Das hat mit der unter Jacobs fabelhaft akkurat, lebendig und schwungvoll phrasierenden Darbietung der Akademie für Alte Musik zu tun. Aber ebenso mit der poetisch ...

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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wolfgang Schreiber

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