Editorial
Wir hatten schon so etwas geahnt. Der Buschfunk aus der Herbert-von-Karajan-Straße, die wilden Spekulationen in den Medien, die Hysterie vor dem Tag aller Tage ließen keinen Zweifel: Die Wahl des neuen Chefs bei den Berliner Philharmonikern wird eine Hängepartie mit offenem Ausgang. Thielemann oder Nelsons? Vielleicht doch Chailly? Trotz allem eine Anfrage bei Jansons oder Barenboim? Oder gar ein Kompromisskandidat, den niemand auf dem Schirm hatte? Als sich die 123 stimmberechtigten Mitglieder der selbstbewussten Orchesterrepublik am frühen Morgen des 11.
Mai zum Konklave an einen «geheimen» Ort zurückzogen (den freilich sogleich die ganze Stadt kannte), wussten alle, die sich auch nur ein bisschen damit beschäftigt hatten: Unter den höchst eigenwilligen Musikern kursieren höchst unterschiedliche Vorstellungen, wer nach dem Abschied von Simon Rattle 2018 das Hochamt übernehmen soll. Dass binnen weniger Stunden weißer Rauch über der Dahlemer Jesus-Christus-Kirche aufsteigen würde, die man seit Karajans Zeiten als Aufnahmestudio nutzt und die nun von Journalisten aus aller Welt belagert wurde, glaubte kaum jemand.
Und es kam, wie es kommen musste: keine Einigung, Entscheidung ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Die Oper Köln hat zur neuen «Arabella» ein Filmchen ins Netz gestellt, in dem das kanadische Produktionsteam Barbe & Doucet (so der Firmenname) seine Absichten mit der Lyrischen Komödie von Hofmannsthal und Strauss kundtut ‒ das heißt: Eigentlich redet nur Renaud Doucet, der Regisseur, während sein Ausstatter André Barbe konsequent schweigt.
Auf der Bühne kommt es...
Dank ihres hohlen Rufs, der wie ein Hilfeschrei verlorener Seelen klingt, spielt die Eule die Rolle als Botin von Ungemach bis ins Triviale hinein; selbst Edgar Wallaces Schwarze Äbte fürchten ihn. Ein Memento-mori-Vogel, aber auch Mittler himmlischer Weisheit. Man denke an die Eule der Minerva, die freilich, so beschrieb es Hegel, ihren Flug erst zur einbrechenden...
Als ich damals anfing, bläuten mir die Kollegen ein, eine Ehe zwischen Opernsängern sei wie eine Expressfahrkarte in die Hölle. Ich heiratete eine Klarinettistin; der Bund ging trotzdem in die Brüche. Also pfiff ich auf gute Ratschläge und traute mich noch einmal – mit einer Opernsängerin. Und heute, fast zwanzig Jahre später, funktioniert es immer noch erstaunlich...
