Gespenstisch teilnahmslos
In dem Tenorschlager «Nacht überm See» versicherte Fritz Wunderlich einst das Techtelmechtel zwischen den Geschlechtern einer kosmischen Komplizenschaft: «Und der alte Mond lächelt weise, und ein Sternlein funkelt: Na, na!». Der Mond von Alabama ist aus diesem Pakt längst ausgestiegen. Absinthgrün und dumm lacht er über der Wüstenstadt Mahagonny. Jim, Jack, Bill und Joe singen das bei Kurt Weill auch so. Und in Vincent Boussards Inszenierung von «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» – da tut der Mond noch mehr: Er wirft ein Auge auf alles, was unten geschieht.
Aus dem Bruder der Liebenden ist ein Big Brother geworden, ein Totalüberwacher des industriell abgefertigten Waren- und Geschlechtsverkehrs. Man staunt nicht schlecht, in diesem Umfeld Bertolt Brechts Originalsatz der Witwe Begbick zu hören: «Jeden Abend vor dem Schlafengehen wünschen Sie Gin und Pfeffer». Sie weiß also über die Konsumgewohnheiten des Jim Mahoney schon Bescheid, bevor er sie geäußert hat. So wie heute Amazon den Kunden prophylaktische Drohnen mit begehrten Dingen schicken will, bevor sie bestellt wurden. Und was geschieht? Nichts. Wir nehmen es hin. Hier wie dort.
Brecht und Weills Oper war 1930 die ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Jan Brachmann
In den zehn Jahren mit Pierre Audi an der Spitze ist das Holland Festival zu einem Labor des Musiktheaters geworden. Die jüngste Uraufführung in der Amsterdamer Stadsschouwburg zeugte erneut davon. Wer durch das prachtvoll ausstaffierte Treppenhaus des alten Amsterdamer Stadttheaters nach oben strebt, gelangt zu einem viel versprechenden Dachboden. Denn oben, auf...
Ach, Israel! In der Jerusalemer Altstadt feiern Familien ausgelassen Bar Mizwa, Pilger steigen staunend bergan zur Grabeskirche, und in den schattigen Gassen des arabischen Viertels hängt schwer der Duft nach Leder und Gewürzen. Kühl rinnt die Zitronenlimonade die Kehle hinab. «Israel ist mehr als ein Krisengebiet», sagt uns Tourismusminister Uri Landau, als wir...
Herr Mattei, im neuen Berliner «Tannhäuser» von Sasha Waltz sangen Sie einen fantastischen Wolfram. Ein Rollendebüt?
Nein, das schien nur so. Ich hatte die Rolle schon vor acht Jahren an der Mailänder Scala gesungen. Es war ein großer Erfolg, aber ich habe den Wolfram nicht wieder angeboten bekommen.
Wie ist das möglich?!
Das sind die unergründlichen Wege der...
