Gemäßigte Windstärken
Viele regieführende Frauen haben der Operninterpretation namentlich in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert beträchtlichen Auftrieb verliehen, zuweilen mit durchaus spezifischen Perspektiven eines nicht allzu eng zu definierenden «weiblichen» Blicks. Diesen reklamiert auch Aurelia Eggers für sich und ihre Saarbrücker Inszenierung des «Fliegenden Holländer». Doch in der Ausführung erweist sich die Konzeption als zu wenig rund, zu unentschlossen zwischen psychologisierendem Naturalismus auf der einen, Oratorium und Mysterienspiel auf der anderen Seite.
Ins Abstrahierend-Überhöhte lenken die meist statuarischen Chorauftritte ebenso wie das mit einem beweglichen Spiegelelement ausgestattete Bühnenbild von Stephan Mannteuffel, das mit den zwei geknickt aufragenden Ofenrohren eher skurril als gelungen daherkommt.
Hiroshi Matsuio – ein sonorer Daland – tritt anderthalb Akte lang wie Johannes Heesters als Champagnergraf auf (Kostüme: Veronika Lindner), um danach kurios zum Landjunker zu mutieren. Spielopernhaft pointiert erscheint seine Beziehung zu Judith Brauns Mary, einer auf Glitzerzeug scharfen, herausgehoben eleganten Erscheinung. Ungewöhnlich deftig auch die Dauerhatz der ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hans-Klaus Jungheinrich
Schwammerl» nannten ihn seine Freunde. Im Hochdeutschen bedeutet das «Pilzling»; es zielte wohl auf Franz Schuberts körperliche Disposition: untersetzt, klein, beleibt. Und in Gesellschaft oft scheu und irritiert. Doch das war quasi die Vorderansicht, die Hülle des Komponisten. Um die Rückansicht, die Innen- und Nachtseite, um den Schöpfer von zuletzt...
Es ist einfach ausweglos. Castor und Pollux lieben beide Télaïre, sind einander aber mindestens ebenso zugetan. Und keiner erträgt des anderen Unglück. Das Hin und Her hat erst ein Ende, als Jupiter die Brüder als Sternbild in den Himmel schickt. In der Einspielung der australischen Kompanie Pinchgut Opera erwachen die Figuren zum Leben, zeigen sich voller Fleisch,...
Nicht nur wegen der geöffneten Striche, die den Baron Ochs als wahrhaft «aufgeblas’nen, schlechten Kerl» zeigen, war dieser «Rosenkavalier» ein Höhepunkt im Strauss-Jahr 2014: Harry Kupfer und sein Bühnenbildner Hans Schavernoch nutzten die Breitwandbühne des Großen Festspielhauses von Salzburg auf suggestive Weise, verlegten das Geschehen mit opulenten,...
