Panorama der Kontraste
Nicht nur wegen der geöffneten Striche, die den Baron Ochs als wahrhaft «aufgeblas’nen, schlechten Kerl» zeigen, war dieser «Rosenkavalier» ein Höhepunkt im Strauss-Jahr 2014: Harry Kupfer und sein Bühnenbildner Hans Schavernoch nutzten die Breitwandbühne des Großen Festspielhauses von Salzburg auf suggestive Weise, verlegten das Geschehen mit opulenten, perspektivisch raffiniert verschobenen Panoramabildern in die Entstehungszeit der «Komödie für Musik», fanden eine süffig schöne Balance zwischen Ruhe und Bewegung, Massenszenen und Intimität, Schwarz-Weiß-Ästhetik und rhyth
mischer Raum-Gliederung. Zwei Altmeister am Werk, die niemandem etwas beweisen müssen. Sie geben Salzburg, was es braucht, ohne dabei das Stück zu verraten. Natürlich blüht Harry Kupfers Handwerk auf, wenn die Bühne mit Menschen bevölkert wird: Das Lever im ersten Akt ist so brillant durchorganisiert wie die Turbulenzen des zweiten und dritten. Den Protagonisten gibt Kupfer in entscheidenden Momenten Zeit, sich auf ihren Gesang und das Orchester zu konzentrieren. Das alles kann man jetzt auf DVD noch genauer verfolgen als im Großen Festspielhaus.
Der grandiose Live-Eindruck, den die Wiener Philharmoniker unter ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Stephan Mösch
Niccolò Jommelli, dessen Schaffensperiode sich von 1737 bis 1772 erstreckt, ist mit Abstand der begabteste und interessanteste italienische Opernkomponist jener Dekaden, ja sogar eine der bedeutendsten Erscheinungen des gesamten 18. Jahrhunderts», so David Kimbell in seinem Standardwerk «Italian Opera». Und der britische Gelehrte stellt fest: «Keinem andern großen...
Die stärkste Szene spielt vorn an der Rampe. Eine schwarze Schwanenfrau trippelt da auf Spitze. Vor einem goldglänzenden Vorhang. Versucht verzweifelt abzuheben. Spreizt die Flügelarme, windet sich, kreiselt um die eigene Achse. Klack macht es, klack, klack, klack. Immer schneller, immer lauter. Der Atem wird schwer. Bis die Luft ausgeht. Bis der Schwan in sich...
Das ungeliebte Frühwerk» – der Titel übertreibt nicht. Und «Das Liebesverbot», ohnehin nicht zum Bayreuther Kanon gehörig, ist unter Wagners Frühwerken nochmals in besonderer Weise ungeliebt. Mögen sich die «Feen» auf die späteren romantischen Opern beziehen lassen und «Rienzi» eine gattungsgeschichtlich interessante Brücke zur Grand opéra schlagen (von der sich...
