Auf dem Drahtseil
Es ist einfach ausweglos. Castor und Pollux lieben beide Télaïre, sind einander aber mindestens ebenso zugetan. Und keiner erträgt des anderen Unglück. Das Hin und Her hat erst ein Ende, als Jupiter die Brüder als Sternbild in den Himmel schickt. In der Einspielung der australischen Kompanie Pinchgut Opera erwachen die Figuren zum Leben, zeigen sich voller Fleisch, Blut, Persönlichkeit. Dass wir bis zum Ende am Ball bleiben, liegt nicht an Perfektion. Es liegt vor allem an dem ungeheuren Engagement, mit dem alle Beteiligten bei der Sache sind.
Jeffrey Thompson etwa steigert sich in Castors Schmerz derart hinein, dass er mitunter vom Singen ins Rufen oder Schluchzen rutscht. Seine Hingabe trägt ihm in dieser haute-contre-Partie mit ihren gemeinen Hochlagen ein paar Intonationsschwächen ein. Aber die nehmen wir in Kauf – für die kostbaren Augenblicke bewegender Emotionalität. Hadleigh Adams ist ihm ein warmherziger Pollux mit charmantem S-Fehler. Als Télaïre überzeugt Celeste Lazarenko mit glasklarem Sopran, Margaret Plummer trumpft als verschmähte Phœbé mit goldenem Timbre und ausdrucksstarken Rezitativen. Antony Walkers Orchestra of the Antipodes nimmt durch eloquente Phrasierung ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Wiebke Roloff
Olivier Py hat in seiner Pariser Inszenierung Francis Poulencs Passionsspiel über den Märtyrertod der Karmeliterinnen von Compiègne während der Französischen Revolution auf seinen existenziellen Anlass und Kern reduziert: die Lebens- und Todesangst der Novizin Blanche de La Force, die sich ins Kloster flüchtet, aber auch dort nicht die Ruhe findet, die sie sucht....
Seit den 1980er-Jahren posieren sie in und um Covent Garden für Touristen: kupferne Zenturionen, silberne Schornsteinfeger oder vornehme Stadtbürger in Bronze. David McVicar war der erste Regisseur, der einen dieser edelmetallisch glänzenden Straßenkünstler ins Royal Opera House holte. Duncan Meadows hieß der muskulöse Mime – er verkörperte in McVicars...
Ein Gesamtkunstwerk? Ja, schon. Aber ohne den Willen zur Überwältigung. Ohne Erlösungszauber. Eher eine Mischung aus Musikzirkus, Orchesterparade, Singsprechtheater. Eine spielerische Show zwischen Bach, Brecht und Broadway, Dantes «Göttlicher Komödie» und Vergils «Aeneis». Ein Trip zwischen Kantate, Kirmes und Kino. Natürlich kennt Louis Andriessen auch seinen...
