Wer sieht hier alt aus?
Ein Gesamtkunstwerk? Ja, schon. Aber ohne den Willen zur Überwältigung. Ohne Erlösungszauber. Eher eine Mischung aus Musikzirkus, Orchesterparade, Singsprechtheater. Eine spielerische Show zwischen Bach, Brecht und Broadway, Dantes «Göttlicher Komödie» und Vergils «Aeneis». Ein Trip zwischen Kantate, Kirmes und Kino. Natürlich kennt Louis Andriessen auch seinen Wagner. Und ein klitzekleines bisschen darf der sogar mitmischen in seiner «Commedia», jener aus fünf Tableaus montierten «Filmoper», die 2008 in Amsterdam zum ersten Mal komplett aufgeführt wurde.
Oder kommt es uns nur so vor, wenn zum Ende des ersten Teils («The Ship of Fools») nach Straßenklängen, dichten Bläsertexturen, blockhaften Klavierakkorden, von Messiaen abgelauschten Melismen und Bigband-Sounds die Streicher hoch über den Wolken eine ersterbende Sehnsuchtslinie ziehen?
Aus dem schrägen Marsch durchs «Inferno» im zweiten Abschnitt spricht sie erst recht: die (Selbst-)Ironie eines Komponisten, der hier zwar lauter letzte Dinge verhandelt, aber sich deshalb noch lange nicht das Lachen verbietet. Zum Thema «Lucifer» lässt er es knistern und rauschen, das Asko/Schönberg Ensemble schnauft, die Choristen von Synergy ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Albrecht Thiemann
Impressum
56. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752275
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 12.01.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Seit dem Niedergang der Phonoindustrie sind es vor allem die Interpreten und Institutionen selbst – Opernhäuser, Orchester, Rundfunkanstalten –, die sich um die Veröffentlichung und Vermarktung ihrer Produkte kümmern. Dazu gehört auch der reiche Schatz an älteren Aufnahmen, der vor allem in den Archiven der Funkanstalten schlummert. Das französische Institut...
Das Geschäftsmodell hat damals gar nicht schlecht funktioniert. Komponist und Librettist konzipierten eine Huldigungsoper, bezahlen musste sie der Adressat beziehungsweise der diplomatische Vertreter, der gerade in Hamburg ansässig war. Auf diese Weise kam auch 1702 am Gänsemarkt Reinhard Keisers «Sieg der fruchtbaren Pomona» zur Uraufführung. Man feierte den 31....
