Fundstücke
Da ist dem britischen Label Testament ein wirklicher Coup geglückt: die Weltpremiere einer mehr als fünfzig Jahre alten «Ring»-Produktion von den Bayreuther Festspielen, die damals von der Firma Decca in Stereoton aufgenommen, aber niemals veröffentlicht wurde. Die Gründe dafür werden im Booklet angesprochen und doch nicht restlos aufgeklärt.
Tatsache ist, dass Decca zu dieser Zeit in hartem Wettbewerb mit EMI stand, die zwei der Sänger (Hans Hotter und Astrid Varnay) exklusiv unter Vertrag hatte und nicht ausleihen wollte, dass ferner John Culshaw, der erste Produzent der Decca, einen eigenen «Ring» im Studio plante und deshalb kein Interesse an einer konkurrierenden Live-Produktion haben konnte. Die Auffassung, dass eine von allen Zufälligkeiten und Unebenheiten einer lebendigen Aufführung gereinigte, mithin klanglich manipulierte Studioaufnahme einem aufgezeichneten Dokument künstlerisch überlegen sein müsse, entsprach der Fortschritts- und Technikgläubigkeit in den fünfziger Jahren.
Heute sieht man das anders und kehrt – auch aus Kostengründen – zur Live-Aufnahme zurück. An dem von Georg Solti dirigierten Culshaw-«Ring», über dessen Herstellung Birgit Nilsson in ihren Memoiren ...
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Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Ekkehard Pluta, Klaus Kalchschmid
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