Fritz ist Franz

Strassburg | Schreker: Der ferne Klang

Opernwelt - Logo

Das ist das Faszinierende an Franz Schreker: wie er in seinem «Fernen Klang» die Handlung und ihr Transportmittel eins werden lässt. Präziser: Die Musik befördert das Geschehen und ist zugleich sein Gegenstand. Das setzt sich bei der ersten französischen In­szenierung überhaupt an der elsässischen Opéra national du Rhin fort: Marko Letonja lässt in seiner ersten Einstudierung als neuer Chefdirigent von Orchestre philharmonique de Strasbourg und Oper keinen Zweifel daran, dass es um die Musik selbst geht.

Am un­überhörbarsten gegen Ende, wenn der Komponist Fritz stirbt, der ein Leben lang dem Phantom eines Idealklangs nachgejagt ist, dieweil wispernde Geigen, Harfen-Glissandi und Silbertontropfen der Celesta die körperlose Form dieses Klangs endgültig aufspüren, das volle Orchester jedoch umstandslos seinen­ es-Moll-Einspruch dagegensetzt: Basta! Aus! Tod!

Das penetrante Näherrücken des fernen Klangs via Verstärker war zuvor ganz überflüssig. Zumal Letonjas Auslegung mit dem blendend reagierenden Orchester im Ganzen spürbar auf die leisen, die poetischen Werte der Musik, auf Diskretion, aufs Dämpfen zielt. Kammerkunst für große Besetzung. Obendrein: Instrumentalzauber pur, wenn das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Mythen-Staatsaktion

«Wie kann Babylon klingen?», hatte der Komponist Jörg Widmann sich selbst im Gespräch gefragt, mit einem Schuss Vorfreude und etwas Beklommenheit. Gemeint waren: die irrealen Klangbilder der mythischen Stadt zwischen Euphrat und Tigris zum einen, die realen Klänge der eigenen Oper zum andern. Lauter Rätselklänge? Schwierig und herausfordernd genug deren Entstehung:...

Vive la périphérie!

Erst kommt die Hauptstadt. Dann kommt erst mal gar nichts. Danach die Grande Nation. Und irgendwann der Rest der Welt – vielleicht. Ein bisschen Louis Quatorze und Napoléon Bonaparte, ein Hauch Sonnenstaat und Premier Empire steckt nach wie vor in den zentralistisch gepolten Köpfen der französischen Elite. Deshalb laufen auch mehr als zwei Jahrhunderte nach der...

Medienspektakel

Es ist ein ganz eigenes Theatererlebnis, das dem Besucher zur Eröffnung der ersten Spielzeit unter dem neuen Intendanten Michael Börgerding im Großen Haus am Goetheplatz beschert wird: Man geht in die Oper – und ist mitten drin im Geschehen um den Niedergang der verkommenen «Netzestadt» Mahagonny. Benedikt von Peter, der in Bremen jetzt als Künstlerischer Leiter...