Medienspektakel
Es ist ein ganz eigenes Theatererlebnis, das dem Besucher zur Eröffnung der ersten Spielzeit unter dem neuen Intendanten Michael Börgerding im Großen Haus am Goetheplatz beschert wird: Man geht in die Oper – und ist mitten drin im Geschehen um den Niedergang der verkommenen «Netzestadt» Mahagonny. Benedikt von Peter, der in Bremen jetzt als Künstlerischer Leiter des Musiktheaters und Hausregisseur fungiert, lässt nicht nur die Bühne, sondern nahezu das gesamte Theater bespielen.
Der erste Teil der Oper konzentriert sich auf das Rangfoyer und gleicht einem Medienspektakel.
Die Sänger agieren inmitten des Publikums, wobei das Geschehen auf zahlreiche Video-Leinwände übertragen wird, begleitet vom überlaut aus den Lautsprechern schallenden Ton des Orchesters. Schrille Bilder stürzen auf den Zuschauer ein, ins Grelle verzerrte Töne, hämmernde Rhythmen. Man schenkt Sekt der Marke «Mahagonny» aus, Go-Go-Girls und -Boys animieren das Publikum zum Tanzen, später auch zu anderen, manchmal etwas albern wirkenden Mitmach-Aktionen. Kurz: Es entsteht eine Art gehobene Disko-Atmosphäre, die die Zuschauer zwar in gute Stimmung versetzt, bei der aber die musikalischen Belange des Stücks letztlich ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhart Asche
In Nancy gibt es im Museum, gleich gegenüber der Oper an der barocken Place Stanislas, ein Bild des von Apoll lorbeergekrönten Kastraten Marc’Antonio Pasqualini (1614-1691), der in Rom mit Kardinal Antonio Barberini ein Verhältnis hatte. So weisen die pikanten römischen Zustände der Barockoper bis ins Heute. Und in der Opéra de Lorraine werden jene immer noch...
Erst kommt die Hauptstadt. Dann kommt erst mal gar nichts. Danach die Grande Nation. Und irgendwann der Rest der Welt – vielleicht. Ein bisschen Louis Quatorze und Napoléon Bonaparte, ein Hauch Sonnenstaat und Premier Empire steckt nach wie vor in den zentralistisch gepolten Köpfen der französischen Elite. Deshalb laufen auch mehr als zwei Jahrhunderte nach der...
«Man muss natürlich mit Kompromissen leben», sagt Vello Pähn. Seit August ist er Künstlerischer Direktor und Chefdirigent der «Rahvusooper Estonia», der estnischen Nationaloper in Tallinn. Zwanzig Jahre war Pähn auf Achse, gastierte vor allem in Westeuropa, auch in Japan und Amerika. Doch jetzt zog es den 54-Jährigen in die Stadt zurück, in der er aufwuchs und der...
