Faltenwurf des Populären

Die Oper Dortmund eröffnet die neue Spielzeit italienisch – mit einer Wunschkonzert-«Aida» und einem Marionetten-«Barbiere»; auf den Straßen wird mit John Cage gefeiert

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Tief ist der «Faltenwurf der italienischen Tradition», die Dortmunds neuer Opernchef Heribert Germeshausen zu Beginn eines Kennenlern-Wochenendes beschwor. So tief, dass eine ganze «Aida» drin verschwinden kann. Denn so fade, uninspiriert, so wenig neugierig, so sehr Heutigkeit und Brisanz nur behauptend, dafür Gemeinplätzchen schlechter Tradition reichlich austeilend, wie Jacopo Spirei Verdis Ägypten-Oper hier ablieferte, immerhin Initiale einer neuen Intendanz, so muss man das selbst in der italienischen Provinz nicht unbedingt sehen.

Dabei hatte es fein angefangen, als Gabriel Feltz die ersten ätherischen Geigentöne wirklich einmal wie aus dem Nichts klingen ließ – tönendes Luftgespinst und Versprechen auf eine Musizierhaltung der Besinnung und Sinnlichkeit, die er dann allzubald über den Haufen rumpelte und im großen, zur Eile neigenden Aplomb manches Unstimmige in Kauf nahm.

Nikolaus Weberns Bühne zeigt eine nüchtern-neutrale Machtarchitektur, darin ein merkwürdig verkrampftes Personal, das sich am wohlsten fühlt, wenn es an die Rampe darf, händeringend, Blick ins Irgendwo. So entwickelt der Abend einen unguten Zug zum Wunschkonzert. Hector Sandoval, der Radamès, beschwört ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Holger Noltze

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