Esperanto für jedermann

Zagreb | Bersa: Der Schuster von Delft

Opernwelt - Logo

Die Welt als Wunsch und Vorstellung – Hans Christian Andersen glaubte nicht, dass sie die beste aller möglichen Welten sei. Die Sehnsucht, ein anderer zu sein, an anderem Ort, in anderer Zeit, war ihm suspekt. Ein fabelhaftes Zeugnis dieser Skepsis ist das Märchen «Galoschen des Glücks». Eine Fee bringt die verzauberten Überzieher unter die Leute, wer sie trägt kriegt alles, was das Herz begehrt. Doch immer mündet die Flucht ins Traumparadies im Katzenjammer. Alle wollen zurück ins alte Leben, zum alten Ich.



Daraus lässt sich eine hübsche, spritzige Opernchose machen, glaubten die Wiener Libretto-Fabrikanten Alfred Maria Willner («Zigeunerliebe», «Frasquita») und Julius Wilhelm, schrieben den Stoff zur Biedermeier-Mär vom armen Schuster Piet um, der als reicher Mann beinahe vor die Hunde geht, und reichten das Textbuch an den aus Dubrovnik stammenden Komponisten Blagoje (alias Benito) Bersa weiter. Ende Januar 1914, fünf Monate vor dem Attentat von Sarajevo, wurde der Dreiakter in Zagreb uraufgeführt. Dann brach der Krieg aus, und es war erst mal Schluss mit lustig, «Der Schuster von Delft» verschwand im Fundus. Als sich der Rauch über den Schützengräben lichtete, schien seine Zeit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Erinnerung und Fiktion

Was auch immer beim Wexford Festival aufgeführt wird: Das Haus spielt eine Hauptrolle. Zumindest seit 2008, als der Neubau des Architektenbüros um Keith Williams eröffnet wurde. Wie eine sanft gestaffelte Kuppel thront er über der Silhouette des alten, südirischen Küstenstädtchens. Wenn man davor steht, sind die Dimensionen nicht zu ahnen. Nahtlos passt sich die...

Erlaubt ist, was gerät

Das war einmal verpönt. Zu Zeiten des ästhetischen Diktats der seriellen Berufsavantgardisten sah sich alles, was irgendwie nach Literaturoper roch, verschärfter Strafandrohung ausgesetzt. Die Postmoderne steht dem wieder aufgeschlossener gegen­über. Erlaubt ist, was gerät. Und zumindest in weiten Teilen geraten ist, was Andrea Lorenzo Scartazzini, Jahrgang 1971,...

Vive la périphérie!

Erst kommt die Hauptstadt. Dann kommt erst mal gar nichts. Danach die Grande Nation. Und irgendwann der Rest der Welt – vielleicht. Ein bisschen Louis Quatorze und Napoléon Bonaparte, ein Hauch Sonnenstaat und Premier Empire steckt nach wie vor in den zentralistisch gepolten Köpfen der französischen Elite. Deshalb laufen auch mehr als zwei Jahrhunderte nach der...