Esperanto für jedermann
Die Welt als Wunsch und Vorstellung – Hans Christian Andersen glaubte nicht, dass sie die beste aller möglichen Welten sei. Die Sehnsucht, ein anderer zu sein, an anderem Ort, in anderer Zeit, war ihm suspekt. Ein fabelhaftes Zeugnis dieser Skepsis ist das Märchen «Galoschen des Glücks». Eine Fee bringt die verzauberten Überzieher unter die Leute, wer sie trägt kriegt alles, was das Herz begehrt. Doch immer mündet die Flucht ins Traumparadies im Katzenjammer. Alle wollen zurück ins alte Leben, zum alten Ich.
Daraus lässt sich eine hübsche, spritzige Opernchose machen, glaubten die Wiener Libretto-Fabrikanten Alfred Maria Willner («Zigeunerliebe», «Frasquita») und Julius Wilhelm, schrieben den Stoff zur Biedermeier-Mär vom armen Schuster Piet um, der als reicher Mann beinahe vor die Hunde geht, und reichten das Textbuch an den aus Dubrovnik stammenden Komponisten Blagoje (alias Benito) Bersa weiter. Ende Januar 1914, fünf Monate vor dem Attentat von Sarajevo, wurde der Dreiakter in Zagreb uraufgeführt. Dann brach der Krieg aus, und es war erst mal Schluss mit lustig, «Der Schuster von Delft» verschwand im Fundus. Als sich der Rauch über den Schützengräben lichtete, schien seine Zeit ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Albrecht Thiemann
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Das war einmal verpönt. Zu Zeiten des ästhetischen Diktats der seriellen Berufsavantgardisten sah sich alles, was irgendwie nach Literaturoper roch, verschärfter Strafandrohung ausgesetzt. Die Postmoderne steht dem wieder aufgeschlossener gegenüber. Erlaubt ist, was gerät. Und zumindest in weiten Teilen geraten ist, was Andrea Lorenzo Scartazzini, Jahrgang 1971,...
Erst kommt die Hauptstadt. Dann kommt erst mal gar nichts. Danach die Grande Nation. Und irgendwann der Rest der Welt – vielleicht. Ein bisschen Louis Quatorze und Napoléon Bonaparte, ein Hauch Sonnenstaat und Premier Empire steckt nach wie vor in den zentralistisch gepolten Köpfen der französischen Elite. Deshalb laufen auch mehr als zwei Jahrhunderte nach der...
