Erlaubt ist, was gerät
Das war einmal verpönt. Zu Zeiten des ästhetischen Diktats der seriellen Berufsavantgardisten sah sich alles, was irgendwie nach Literaturoper roch, verschärfter Strafandrohung ausgesetzt. Die Postmoderne steht dem wieder aufgeschlossener gegenüber. Erlaubt ist, was gerät. Und zumindest in weiten Teilen geraten ist, was Andrea Lorenzo Scartazzini, Jahrgang 1971, im Auftrag des Theaters seiner Heimatstadt Basel schrieb. Seine zweite Oper «Der Sandmann» folgt «Motiven der gleichnamigen Erzählung von E. T. A. Hoffmann».
Das Libretto verfertigte der Schriftsteller und Dramaturg Thomas Jonigk.
Ein Schriftsteller verfällt einer jungen Frau, die nur eine Puppe ist, ein Automat. Kennen wir doch!, sind sich alle Operngänger einig. Sie denken natürlich an Olympia in «Hoffmanns Erzählungen», der indes der Dichter selbst zu Füßen lag. Im «Sandmann» ist’s wie in der zugrunde liegenden schwarzromantischen Erzählung allerdings der Schriftsteller Nathanael. Das bekennende Romantikerduo Scartazzini/Jonigk erzählt linear, der Reihe nach. Im Mittelpunkt stehen das krisenreiche Leben und Sterben jenes Nathanael, der eher der Spezies des Möchtegern-Autors zuzuordnen ist und sich bei einer Lesung – ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Heinz W. Koch
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Es ist schon ein wenig kurios: In den 1970er-Jahren beschloss die English National Opera in London, dass es Zeit sei, den wilden Norden endlich zuverlässig mit Oper zu versorgen, und entsandte eine Expedition in die 450 000-Seelen-Stadt Leeds, um einen Außenposten zu gründen. Warum Leeds, nicht Manchester oder Liverpool? Dafür gab es mehrere Gründe: Erstens ein...
«Meine Frau befiehlt: Rosenkavalier. Also Rosenkavalier! Der Teufel hol ihn», ächzte Richard Strauss in einem Brief vom Mai 1910. Eine neue Oper hatte er in der Mache, aber noch keinen Titel. Wie gut, dass Pauline ihm energisch zuredete.
Dieser «Rosenkavalier» kam 2009 in einer wahren Luxus-Besetzung in Baden-Baden (vgl. OW 3/2009) auf die Bühne (nach der alten...
