Erst die Haltung, dann das Programm
Jahrzehntelang hatte das Nationaltheater Mannheim ein klar umrissenes, man könnte auch sagen: ein eng umgrenztes, trotzdem weit ausstrahlendes Profil. Mannheim war die Stadt eines gediegen gepflegten Wagner-Kults. Weniger wegen szenischer Neuerungen als wegen der musikalischen Stabilität. Horst Stein, ab 1963 für sieben Jahre Musikchef, nannte Bayreuth gern den «TÜV». Bei den Festspielen wurden Sänger und Orchestermusiker auf den neuesten musikalischen Stand gebracht. Von dort konnten sie wieder in die große weite Wagnerwelt ausschwärmen.
Fit gemacht für den «TÜV» aber wurden viele von ihnen in Mannheim. Horst Stein ist nur einer von vielen Mannheimer Generalmusikdirektoren, die als Wagner-Dirigenten bekannt wurden. Karl Elmendorff, Peter Schneider und Hans Wallat sind andere. Donald Runnicles, der heutige GMD der Deutschen Oper Berlin und dorthin engagiert wegen eines «Ring»-Dirigats, hat in Mannheim als Korrepetitor angefangen. Hans Adomeit, lange Solo-Cellist und Hochschulprofessor in Mannheim, saß auch im verdeckten Bayreuther Graben am ersten Pult. Wenn Siegmund und Sieglinde sich im ersten Akt der «Walküre» scheu und begierig begegneten, gab er den Ton an. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 12
von Stephan Mösch / Uwe Schweikert
Hier arbeitet sie am liebsten, in ihrer Altbauwohnung im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Das Atelier: ein heller Raum mit Dielenboden. Links hohe Bücherregale, rechts ein Sofa, in der Ecke eine Tafel mit den aktuellen Entwürfen. Das Zentrum des Raums aber bildet der lange Tisch unter den großen Fenstern. Bis auf die Kästen mit Arbeitsutensilien an der Seite ist...
Alle Welt reißt sich um Richard Wagner und Giuseppe Verdi, während der dritte Jubilar, Benjamin Britten, nach wie vor um Anerkennung kämpft, vor allem außerhalb Großbritanniens. Lange galt er den Konservativen als zu radikal, den Radikalen als zu
konservativ, und noch immer hält ihn mancher Kritiker für zweitrangig. Doch Britten ging einfach seinen eigenen Weg. Er...
Herr Bostridge, Sie haben sich intensiv mit den Werken beschäftigt, die Benjamin Britten für den Tenor Peter Pears geschrieben hat. Was erzählen sie über Brittens Beziehung zu Pears?
Sie erzählen mehr als genug über Leidenschaft, Schuld und Unbehagen. Man hört, finde ich, dass Britten sich anfangs mit seiner Sexualität nicht ganz wohlfühlte. Er hätte die...
