Schräges Schwelgen
Hier arbeitet sie am liebsten, in ihrer Altbauwohnung im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Das Atelier: ein heller Raum mit Dielenboden. Links hohe Bücherregale, rechts ein Sofa, in der Ecke eine Tafel mit den aktuellen Entwürfen. Das Zentrum des Raums aber bildet der lange Tisch unter den großen Fenstern. Bis auf die Kästen mit Arbeitsutensilien an der Seite ist die Platte leer: tabula rasa, bereit für eine frische Schöpfung.
Victoria Behr trägt ihr dunkles Haar in kurzen, weichen Locken, ein schwarzes Kleid.
Früher hat sie auch für sich selbst geschneidert, doch dazu fehlt ihr längst die Zeit. Gerade ist sie auf dem Sprung nach Zürich: Dürrenmatts «Physiker» mit Herbert Fritsch, dem Regisseur, mit dem sie derzeit am häufigsten arbeitet (16 Produktionen in den letzten vier Jahren). Eigentlich wollte sie Modedesignerin werden, aber mit fünfzehn fing sie an, für das Jugendtheater ihrer Heimatstadt Koblenz Kostüme zu machen, und stellte fest: «In einem Team, mit Text und Musik, ist es viel interessanter». Also absolvierte sie Theaterpraktika, ging nach Hamburg an die Hochschule für angewandte Wissenschaften, assistierte, unter anderem in Zürich und bei den Salzburger Festspielen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 122
von Wiebke Roloff
Sie weiß genau, was sie will, jettet von einem prestigeträchtigen Opernhaus zum nächsten, und ihre silbrigen Spitzentöne sprudeln wie ein quicklebendiger Quell: Auf den ersten Blick scheint die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan die gängigen Eigenschaften einer veritablen «Diva» zu besitzen. Ihr deshalb Allüren zu unterstellen, wäre indes unfair. Eine Diva...
Manchmal sind Frauen die kerligeren Kerle. Als Diana Haller im Januar dieses Jahres erstmals den Ritter Ruggiero mit flaumigem Oberlippenbärtchen in der 15 Jahre alten, aber wunderfrischen «Alcina»-Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito sang, ballte sie die Hände in den Hosentaschen zu Fäusten und spuckte aus vor den untreuen Frauen. «Ah! Infedele,...
Gleich im ersten Intendantenjahr hat Barrie Kosky es geschafft, der Komischen Oper Berlin seinen Stempel aufzudrücken: Bunter, hipper, vitaler ging es in der Saison 2012/13 an keinem anderen Opernhaus der Hauptstadt zu. Von Monteverdi bis zu Neuwirth, vom Mozart-Kino bis zur deutsch-türkischen Kinderoper und Operettenrevue. Ein programmatisches Bekenntnis: Am...
