Eklektik mit Esprit
«L’elisir d’amore» und «Lucia di Lammermoor» gehören längst zum Kanon, auch «Don Pasquale» ist kein Unbekannter. Doch wer kennt die späten, für Paris und Wien entstandenen Opern von Gaetano Donizetti? Aus ihnen spricht ein europäischer Geist, der sehr genau die Erwartungen seines jeweiligen Publikums registrierte. Dass Donizetti nie einen starken Personalstil ausprägte, wurde ihm immer wieder vorgehalten – bis heute. Selbst die beiden Werke, die der Mann aus Bergamo als seine Meisterstücke bezeichnete – «Maria di Rohan» und «Dom Sébastien» – werden kaum aufgeführt.
Dabei können sie es mit den Besten ihrer Zeit aufnehmen.
Der Regisseur Calixto Bieito erklärte kürzlich in einem Interview, Donizetti wolle er nicht inszenieren. Die Ablehnung ist nicht neu – schon zu Lebzeiten zog sich der Komponist die Häme seiner Kollegen zu. Einig in ihrer schnöden Verachtung waren sich, um nur zwei zu nennen, Schumann («Puppentheatermusik») und Wagner («Leierkasten-Blödsinn»). Wagner verzieh dem Rivalen nie, dass er sich im angeblichen Hungerwinter 1840 in Paris mit Klavierauszügen und Arrangements von «La Favorite» durchschlagen musste – während seinen «Rienzi» in der französischen Hauptstadt ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Gaetano Donizetti, Seite 86
von Uwe Schweikert
Ein König, der von einem Wurzelgemüse entthront wird. Ein Sexualverbrechen inmitten von Marien-Mystik. Heiner Müller in den Ruinen Europas. Schrille Stoffe, an die sich schon lange niemand mehr traute. Aber nun hat die Opéra de Lyon Offenbachs «Le Roi Carotte» (1872) heiter eingedampft, das Theater Freiburg Wolf-Ferraris Neapel-Thriller «Der Schmuck der Madonna»...
Sie kommen aus einer Musikerfamilie. Ihre Mutter ist die dänische Opernsängerin Inge Dreisig, auch Ihr Vater war Sänger. So mancher will da bewusst etwas anderes machen. Sie nicht?
Für mich war die Oper eine Welt voller Wunder, auch wenn ich wusste, da wird harte Arbeit geleistet. Mit sechs Jahren fing ich im Kinderchor an, an der Opéra Royal de Wallonie – ich bin...
Herr Gerhaher, ist die Oper noch immer der andere Kontinent, von dem aus Sie gern ins heimische Lied zurückkehren?
Oper singe ich eigentlich schon sehr lang, so fremd kann die mir also nicht sein. Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt – ob Handwerker, Universitätsprofessor oder Taxifahrer –, sage ich, ich sei Opernsänger. Bei «Sänger», glaube ich, vermuten viele...
