Ein Wintermärchen
Die Versöhnung findet in allerliebstem, allerkitschigstem Fis-Dur statt. «Ich werde dir nie mehr widersprechen, ich will dich auf Händen tragen», flötet die Frau Kapellmeister ihrem Gatten zu. Und nach ein paar sanft kräuselnden enharmonischen Verwechselungen fließt es weiter in der gleichen Tonart: «Du bist mein schöner, reiner, prachtvoller Mann!» Diesen schönen, reinen und prachtvollen Text hat, wie sollte es anders sein, ein schöner, reiner und prachtvoller Mann geschrieben und sich selbst gleich noch zuhörend auf die Bühne gestellt.
Auch seine Frau ist zur Opernfigur aufgestiegen und darf singen, was er im Leben womöglich gern gesprochen gehört hätte. Oder ist alles nur Fake? Das primadonnenhaft aufgemotzte Fis-Dur klingt nach großen Wahrheiten. Der Text nicht.
Es ist diese Unverhältnismäßigkeit von Anlass und Aufwand, Inhalt und Verpackung, die Richard Strauss’ «bürgerliche Komödie» mit dem Titel «Intermezzo» von vorne bis hinten durchzieht. Ein Humor der besonderen Art – und nicht jedermanns Geschmack. Karl Kraus formulierte, was viele dachten und denken: «Eine trivialere, aber zugleich dreistere Ödigkeit dürfte wohl noch selten in die Sphäre künstlerischer Gestaltung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es waren Momente der Magie und des Staunens. Hinter der tschechischen Grenze, so glaubten wir Kinder, begann die Welt unserer Träume. Stunden verbrachten wir vor Märchenverfilmungen aus der CSSR, später entzückte uns Pan Tau, der Magier mit Melone, der die Menschen liebte. Und in der Schule begannen wir zu träumen, wenn der Musiklehrer Smetanas «Moldau» auflegte –...
In einer Zeit, in der jedes deutsche Provinztheater «Jenufa» auf Tschechisch und «Eugen Onegin» auf Russisch spielt, wobei die Sänger, die sich ihren Text phonetisch eingehämmert haben, nicht verstehen, was sie singen (und das Publikum erst recht nicht), ist die Renaissance der Rundfunkaufnahmen aus der Zeit des Wirtschaftswunders ein heilsames Korrektiv. Statt der...
Es gehört zum Job des Intendanten, die Werbetrommel zu rühren und im Rückblick ein bisschen zu verklären. «Wohl selten ist eine zeitgenössische Oper unter glücklicheren Umständen geboren worden», meinte Gustav Rudolf Sellner über die Uraufführung von «Der junge Lord» an der Deutschen Oper Berlin. 1965 fand die statt, und natürlich meinte Sellner die Umstände der...
