Ein Fest für Claudio
Die große Drehtür am Basler Theater ist gesperrt, die gesamte Glasfront mit schwarzen Vorhängen verhüllt – das Foyer betritt man an diesem Premierenabend durch einen Seiteneingang. An den Wänden hängen bodenlange Ketten mit runden Spiegelplättchen, die breite Treppe zum ersten Rang ist mit einem roten Teppich ausgelegt. Da steht man nun und staunt, redet und rätselt – bis der Schlagzeuger auf der Treppe seine Kollegen vom Barockorchester Basel La Cetra zusammentrommelt. Es gibt Champagner für alle: Und das Fest beginnt.
Es ist wirklich ein Opernfest, das Regisseur Jan Bosse gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Andrea Marcon in Basel veranstaltet. Ein kluger, sinnlicher Abend mit Esprit und Fantasie, mit überwältigender Bildsprache und tief ausgeloteter Musik. Das Operndebüt des 38-jährigen Theaterregisseurs wird zum Triumph. Auch bei der Uraufführung am 24. Februar 1607 in Mantua wurde Monteverdis «L’Orfeo» bejubelt: die Geburtsstunde einer Gattung. Nicht in einem Theater fand dieses epochemachende Ereignis statt, sondern im Palast des Herzogs Vincenzo Gonzaga zum Höhepunkt des Karnevals. Deshalb liegt Bosse ganz nah an der ursprünglichen Aufführungstradition, wenn er die ...
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Stephan Mösch: Herr Zehelein, vielen Dank für die vielen Einsichten und Ansichten. «Kommunikative Ästhetik» ist ein großes Wort. Ich möchte, um unsere Diskussion anzuschieben, die Gegenposition mobilisieren. Bei der Vorbereitung auf unser heutiges Gespräch ging mir ein Satz von Jean-Pierre Ponnelle nicht aus dem Sinn. Was wir heute von Ponnelles Ästhetik halten...
Dass nicht nur Musik Mode wird, sondern Mode auch mal Musik, mag als faszinierende Idee erscheinen. Mode freilich muss sich immer «auf der Höhe der Zeit» bewegen. Folgerichtig müsste auch die musiktheatrale Annäherung an den auratischen wie den kommerziellen Begriff von Mode up to date sein. Giorgio Battistelli mag dergleichen durch den Kopf gegangen sein, als er...
Auf intelligente Weise münzt Brüssels Oper derzeit den im Stagione-Prinzip unumgänglichen Zwang zu Doppelbesetzungen in künstlerischen Mehrwert um. Nachdem bereits die letzte Produktion, Massenets «Werther», Gelegenheit zum Direktvergleich zwischen der üblichen Tenorfassung und der später vom Komponisten erstellten Baritonversion gab, wartet La Monnaie auch bei...
