Macht der Kopf alles kaputt?
Stephan Mösch: Herr Zehelein, vielen Dank für die vielen Einsichten und Ansichten. «Kommunikative Ästhetik» ist ein großes Wort. Ich möchte, um unsere Diskussion anzuschieben, die Gegenposition mobilisieren. Bei der Vorbereitung auf unser heutiges Gespräch ging mir ein Satz von Jean-Pierre Ponnelle nicht aus dem Sinn. Was wir heute von Ponnelles Ästhetik halten mögen, steht dabei nicht zur Diskussion.
Zur Diskussion steht aber ein Selbstverständnis, das dieser große Theatermann vielfach geäußert hat: Die Existenz eines Dramaturgen, sagte Ponnelle, besonders die Existenz eines Produktionsdramaturgen, sei die Bankrotterklärung des Regisseurs. Es ist klar, was er damit verbindet: Wenn ein Regisseur jemanden braucht, der ihm geistig zuarbeitet, dann fehlt es ihm entweder an Zeit oder an mentaler Kompetenz für seinen Beruf. Ich möchte in der ersten Fragerunde ganz schlicht und ganz pragmatisch vorgehen und gern wissen: Was schweißt die Teams, die wir eingeladen haben, aneinander? Wie gehen sie konkret an ihre Projekte heran? Was gibt der eine dem anderen? Vielleicht fangen wir an mit Stefan Herheim und Alexander Meier-Dörzenbach. Die beiden haben drei große Premieren vor sich: ...
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In Verdis «Nabucco» spielt das Volk die Hauptrolle, und Münchens Staatsopernchor bot eine überragende Leistung. Höhepunkt war der berühmte Gefangenenchor: eine herzergreifend subtile, warm und weich gesungene Interpretation. Hinter Maschendraht erinnerten die Choristen auch an die vielleicht erste Großtat des Regietheaters an der Bayerischen Staatsoper: Herbert...
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Es war ein Skandal für die grande famiglia der italienischen Nation: Kürzlich meldeten italienische Tageszeitungen, dass ausgerechnet das Mutterland der katholischen Kirche die höchste Scheidungsrate ganz Europas hat. Gleichwohl wird Paaren die Trennung nicht leicht gemacht, selbst einvernehmliche Scheidungsverfahren können sich ewig hinziehen. Nun gibt ein...
