Diversität oder: Was bleibt von 2015/16
Über den Typus des Künstlerintendanten wird wieder heiß diskutiert. Obwohl man ihm, bei Licht besehen, heute eher selten begegnet – zumal im Musiktheaterbetrieb. Das Modell des allgewaltigen Patriarchen, der nicht nur den Laden schmeißt, sondern auch auf der Bühne (oder im Orchestergraben) die Zügel führt, hat ohnehin ausgedient. Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch es gibt sie nach wie vor, die Sehnsucht nach charismatischen Leitfiguren, die den Diskurs, den Kurs, die Identität eines ganzen Hauses gleichsam als pater communitatis formen.
Nach Theater-Alphatieren wie Walter Felsenstein oder Götz Friedrich, Claus Peymann oder Frank Castorf. Die heftigen Proteste gegen das von der Berliner Kulturverwaltung verfügte Ende von Castorfs 25-jähriger postdramatischer Mission an der Volksbühne haben viel mit dieser Sehnsucht zu tun. In dem seit Monaten schwelenden Streit um seinen von der Tate Modern in London abgeworbenen designierten Nachfolger Chris Dercon geht es nicht zuletzt um Macht: Wer wird künftig das Sagen haben, Künstler oder Kurator? Das ist nicht nur an Berlins Volksbühne die Frage.
Zum kleinen Kreis der Künstlerintendanten gehört auch ein Mann, der sich nie um die Leitung ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 104
von
Ein König, der von einem Wurzelgemüse entthront wird. Ein Sexualverbrechen inmitten von Marien-Mystik. Heiner Müller in den Ruinen Europas. Schrille Stoffe, an die sich schon lange niemand mehr traute. Aber nun hat die Opéra de Lyon Offenbachs «Le Roi Carotte» (1872) heiter eingedampft, das Theater Freiburg Wolf-Ferraris Neapel-Thriller «Der Schmuck der Madonna»...
Herr Gerhaher, ist die Oper noch immer der andere Kontinent, von dem aus Sie gern ins heimische Lied zurückkehren?
Oper singe ich eigentlich schon sehr lang, so fremd kann die mir also nicht sein. Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt – ob Handwerker, Universitätsprofessor oder Taxifahrer –, sage ich, ich sei Opernsänger. Bei «Sänger», glaube ich, vermuten viele...
In Mussorgskys «Chowanschtschina» trat er als eine Masse auf, die «über die ganze Palette vom Volkston über fromme Innigkeit bis hin zu politischer Hysterie» verfügt (OW 4/2016). Brillant, bewegend, virtuos waren auch die Auftritte in «Pique Dame»: Der Chor der Nationale Opera Amsterdam unter der Leitung von Ching-Lien Wu ist «Chor des Jahres».
Auch der Opernchor...
