Der Widerspenstigen Lähmung
Operette unterm Hakenkreuz: Den Titel der Tagung nimmt mein Beitrag ernst und wörtlich. Das kann nur heißen: wie es der singulären Operette – überhaupt und insgesamt – im Zeitraum und Machtbereich der Nazidiktatur ergangen ist. Und den Gegenstand Operette selbst nimmt mein Beitrag ebenso ernst und wörtlich wie ihn jedes seriöse Nachschlagewerk definiert. Nämlich als eine ganz bestimmte Gattung des heiteren Musiktheaters, die sich deutlich unterscheidet von Opera buffa, Posse mit Gesang, Revue.
Als eine Bühnenkunst, basierend auf Partitur und Libretto, die szenisch von lebendigen Akteuren vor ebenso lebendig anwesendem Publikum vollführt wird, letztlich jeden Abend anders. Ergänzt und getragen vom gleichfalls lebendig spielenden Orchester, geschieht das im Fall der Operette erstens in Gesängen, zweitens im gesprochenen Dialog, drittens in getanzten Szenen. Was da allemal auf der Bühne abläuft, ist eine musikdramatische Ereignisfolge, in der Konflikte ausgetragen werden zwischen den unterschiedlichen Interessen der singenden dramatis personae. Mithin fällt das Hauptgewicht auf die Ensembleszenen: als Treffpunkte und Knotenpunkte der musikalischen Auseinandersetzung.
Seit ihren ...
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Dass Friedrich Nietzsche früh und folgenschwer vor «Carmen» in die Knie ging, hatte wenig mit Argumenten und viel mit persönlicher Befindlichkeit zu tun. Nietzsche brauchte «Carmen», um sich wirkungsvoll von Wagner abstoßen zu können. Wenn er sie nicht gefunden hätte, hätte er sie erfinden müssen. Deshalb ist an seinem «Carmen»-Bild viel Wahres, aber es hängt...
Giacomo Meyerbeers Opern scheinen zögernd zwar, aber kontinuierlich den Weg ins Repertoire zurückzufinden. Nach der «Margherita d’Anjou» auf CD (Opera rara) und konzertant in Leipzig, nach der «Africaine» in Straßburg und den «Huguenots» in Metz, noch vor der «Semiramide riconosciuta» in Bad Wildbad, brachte das kleine Opernhaus im belgischen Liège eine...
Harry Kupfer begann seine Karriere in Halle, Stralsund, Chemnitz und Weimar. 1971 debütierte er an der Berliner Staatsoper, wo seine Inszenierungen von «Otello», «Die Frau ohne Schatten», «Parsifal» und «Salome» für ihre genaue Personenregie und psychologische Tiefenschärfe gepriesen wurden. 1972 wurde er an die Staatsoper Dresden berufen. Innerhalb weniger...
