Der Widerspenstigen Lähmung

Wie sich das Naziregime über die Künste hergemacht hat, über literarische und bildende Kunst, über Musik und Theater und Film: Damit befasst man sich schon seit Jahrzehnten. Sei es in Ausstellungen und Platten­einspielungen, sei es in sachkundigen Abhandlungen, sei es auf wissenschaftlichen Kongressen. Kaum je ist dabei die Operette ­in Betracht gezogen worden. Verwunderlicherweise. Gehörte sie doch bis in die neunzehnhundertzwanziger Jahre hinein zu den populärsten Unterhaltungskünsten. Und insofern bot sie sich – jedenfalls auf den ersten Blick – als ein willkommenes ­Vehikel an, um das deutsche Volk auf Linie zu halten, ­nachdem es sich die nazistische Herrschaft herbeigewählt hatte und bekräftigte. Besondere ­Anerkennung verdient daher eine Initia­tive der Dresdener Staats­operette, die unlängst den ­Versuch unternahm, den ­Sachverhalt «Operette unterm Hakenkreuz» öffentlich zu ­sichten und zu bedenken (siehe Kasten Seite 32).Volker Klotz war als Redner und Beobachter dabei.

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Operette unterm Hakenkreuz: Den Titel der Tagung nimmt mein Beitrag ernst und wörtlich. Das kann nur heißen: wie es der singulären Operette – überhaupt und insgesamt – im Zeitraum und Machtbereich der Nazidiktatur ergangen ist. Und den Gegenstand Operette selbst nimmt mein Beitrag ebenso ernst und wörtlich wie ihn jedes seriöse Nachschlagewerk definiert. Nämlich als eine ganz bestimmte Gattung des heiteren Musiktheaters, die sich deutlich unterscheidet von Opera buffa, Posse mit Gesang, Revue.

Als eine Bühnenkunst, basierend auf Partitur und Libretto, die szenisch von leben­digen Akteuren vor ebenso lebendig anwesendem Publikum vollführt wird, letztlich jeden Abend anders. Ergänzt und ­getragen vom gleichfalls lebendig spielenden Orchester, geschieht das im Fall der Operette erstens in Gesängen, zweitens im gesprochenen Dialog, drittens in getanzten Szenen. Was da allemal auf der Bühne abläuft, ist eine musikdrama­tische Ereignisfolge, in der Konflikte ausgetragen werden zwischen den unterschiedlichen Interessen der singenden dramatis personae. Mithin fällt das Hauptgewicht auf die Ensemble­szenen: als Treffpunkte und Knotenpunkte der musikalischen Auseinandersetzung.
Seit ihren ...

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Opernwelt August 2005
Rubrik: Thema, Seite 30
von Volker Klotz

Vergriffen
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