Das Wort singt
Nimmt man Charles Gounod beim Wort, war für die französischen Sänger die Klarheit der Aussprache wichtiger als die Qualität des Tons. «Die Aussprache muss klar, sauber, distinkt und exakt sein. Das bedeutet, dass sie dem Ohr in keinem Augenblick irgendeine Ungewissheit betreffs des ausgesprochenen Wortes bereitet. Sie muss ausdrucksvoll sein, und das meint, dass sie das Gefühl, das sie mit dem Wort ausgedrückt hat, sinnenfällig machen muss», schreibt er in «Le Don Juan de Mozart». «Sie ist es, die das Wort mit Gedanken füllt, mit Sentiment, mit Passion ...
Artikulation sichert Sauberkeit [netteté], Aussprache schafft Eloquenz.»
Der Bariton Arthur Endrèze verstand sich darauf in exemplarischer Weise. Das amerikanische Label Marston hat ihm jetzt fünf CDs gewidmet – und die Edition ist eine der fesselndsten individuellen Dokumentationen französischer Gesangskunst überhaupt.
Endrèze (recte: Endres Kraeckmann) wurde 1893 in Chicago als Sohn eines bayerischen Immigranten geboren. 1928 ging er nach Frankreich, wo der legendäre Tenor Jean de Reszke sein Lehrer wurde und der Komponist Reynaldo Hahn sein Förderer – der es als «Trägheit des Geistes» ansah, sich vom schönen Klang einer Stimme ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Kesting
Was eine Hypothese ist, hat wohl selten einer so schlüssig definiert wie Heinz Meier als Hoppenstedt in einem Sketch Loriots. «Hier wäre die Mitte gewesen ... wäre!», giftet er, nachdem ihm sein Duz-Feind Pröhl zwei Drittel des Kosakenzipfels weggegessen hat. Das hypothetische «Was wäre, wenn» ist ja auch das Um und Auf der Kunst – ja, es scheint, pauschal...
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Die zweite von Stéphan Lissner eingefädelte Premiere an der Opéra national bot dem Pariser Publikum ein doppeltes Wiedersehen. Krzysztof Warlikowski hatte unter Gerard Mortier die Regiepalette des Hauses bereits um einige Arbeiten bereichert. Während der von Mortiers Nachfolger Nicolas Joël geprägten Jahre der Restauration war er erwartungsgemäß nicht mehr zum Zug...
