Grenzgefilde
Fahler Glanz flackert im Raum. Schneegrau schimmern Wand und Boden, salzmatt die Kleider. Der Stuhl, das Boot, das Bett. Mitten im Leeren steht eine Tür: Regisseur Graham Vick und sein Bühnenbildner Richard Hudson bezeichnen damit den Übergang zwischen zwei unscharf abgegrenzten, doch existenziell verschiedenen Zuständen: Leben und Tod. Denn um diesen Übergang geht es in Georg Friedrich Haas’ fünfter Oper «Morgen und Abend», die die Royal Opera in London jetzt herausbrachte und im kommenden April an die koproduzierende Deutsche Oper Berlin weitergibt.
Der Fischer Olai wartet, bangt: Seine Frau, unsichtbar, liegt in den Wehen. Olai stellt sich die Geburt vor, die unbarmherzige Erfahrung plötzlicher Getrenntheit, die nur Liebe überwinden kann. Während er abtritt, um endlich seinen Sohn zu sehen, tritt derselbe auf – und hat sein Leben bereits hinter sich. Johannes sieht sich selbst beim Sterben zu, der Tod und das Begreifen arbeiten sich in ihm vor wie die Flut im Wattenmeer. In der Grauzone erscheinen seine Frau Erna und sein Freund Peter, beide längst nicht mehr am Leben. Peter ist es auch, der ihn schließlich aufklärt: «Du bist jetzt auch tot, Johannes.» ... «Ist das so?» – «So ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff
Mit diesem Stück fing alles an: «My Fair Lady» war der erste echte Musical-Erfolg in Deutschland. Eine Kulturnation, die traditionell zwischen der «ernsten», also der wertvollen, und der «unterhaltsamen», also zweitklassigen, Kunst unterscheidet, musste fast zwangsläufig mit dem aus Übersee importierten Genre fremdeln. Doch Frederick Loewes Stück spielt in...
Von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen war trotz anhaltender Alarmstimmung in Folge der Pariser Anschläge nichts zu bemerken, als die römische Oper im Teatro Costanzi mit Henzes «Bassariden» einen außergewöhnlichen Saisonstart feierte. Im neubestuhlten Saal fand sich ein bunt gemischtes Publikum ein: diverse ranghohe Staatsdiener samt Wirtschaftsminister und...
Manchmal muss auch der Musikkritiker zum Äußersten greifen – zum Beispiel zu der Presse-Werbe-CD mit ein paar Ausschnitten aus der Musik, die er eigentlich gerade im Theater gehört hat. Es ist, stellt er beim Nachhören fest, eine Musik von sanftem Schmelz und federndem Esprit, gemacht mit dem Willen und der Fähigkeit zu kunstvoller Einfachheit, zum feinen Sentiment...
