Das Staunen hat er nicht verlernt
Man muss ihn wohl als Lebenskünstler bezeichnen. Wilfried Hiller hat nie mit seiner Energie und Fantasie gegeizt. Wahrscheinlich ist ihm gerade deswegen immer neue zugewachsen. Ein ganzes Berufsleben lang, von 1971 bis 2006, war er Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk, hat dort über 21 000 Stunden Programm zusammengestellt und viel bewirkt in Sachen Neue Musik und Musikvermittlung. Bürokrat wie viele seiner Kollegen ist er dabei nicht geworden. Im Gegenteil: Das Münchner Musikleben verdankt ihm längst legendäre Musikreihen wie die «Musiknächte» und «musik unserer zeit».
Auch das Festival «Orff in Andechs» hat er initiiert, war Carl Orff doch ab 1968 sein Lehrmeister und Mentor – auch was die Absage an Scheuklappen jeglicher Art betrifft. Neben all seinen anderen Aktivitäten (zu seinen Schülern gehören Jörn Arnecke und Jörg Widmann) komponierte der gelernte Schlagzeuger Hiller Musik, die offen ist für viele Hörerschichten und Besetzungen. Gemeinsam mit Michael Ende hielt er Kinder jeden Alters mit «Das Traumfresserchen» und «Tranquilla Trampeltreu» in Atem, ohne sich im Geringsten anzubiedern. Mit dem «Goggolori» traf er die bayerische Mentalität auf den Kopf und schaffte den ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch
Eine besondere Kuriosität der Operngeschichte wurde vor drei Jahren in Bad Wildbad zur ersten öffentlichen Aufführung gebracht: Giovanni Pacinis Version des «Don Giovanni», die er 1832 für eine Privatvorstellung in Viareggio komponierte. Die Rollen sangen Mitglieder seiner Familie und er selbst; ein Kammerorchester aus Streichern und zwei Flöten sorgte für die...
Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen...
Die Zielrichtung der Oper ist zunächst etwas unklar. Einerseits wird sehr bald deutlich, dass sich um 1600 ein Medium etabliert, das wie kaum ein anderes für die höfische Repräsentation geeignet ist. Andererseits war es gerade dieser repräsentative Aspekt, der ganz essenziell mit Prachtentfaltung verknüpft war und den die frühen Autoren der Oper offensichtlich...
