Wer zerreißt Orpheus?
Die Zielrichtung der Oper ist zunächst etwas unklar. Einerseits wird sehr bald deutlich, dass sich um 1600 ein Medium etabliert, das wie kaum ein anderes für die höfische Repräsentation geeignet ist. Andererseits war es gerade dieser repräsentative Aspekt, der ganz essenziell mit Prachtentfaltung verknüpft war und den die frühen Autoren der Oper offensichtlich vermeiden wollten. Zwar ist die Annahme, die prachtvollen Florentiner Intermedien des 16. Jahrhunderts gehörten zu den wichtigsten Quellen der Oper, nicht von der Hand zu weisen.
Doch widerspricht die Erscheinungsform der frühen Opern diesen Intermedien so sehr, dass eher daran zu denken ist, hier sollte eine Gattung geschaffen werden, für welche die künstlerische Legitimation durch humanistische Bildungszirkel wichtiger war als die Legitimation durch den bei den frühen Opern noch gar nicht feststehenden Zweck. Obwohl es nur wenige Rezeptionszeugnisse gibt, scheint es doch so, dass das lange Deklamieren in diesen frühen Opern als eher unerfreuliche Erscheinung betrachtet wurde. Caccini etwa berichtete selbst, dass seine Oper «Il rapimento di Cefalo» deshalb nicht erfolgreich gewesen sei, weil man die Musik für langweilig ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Thema, Seite 34
von Michael Walter
Die Insignien und Embleme unterschiedlichster Religionen, sie fügen sich hier zu einem unheimlichen, erdrückend wirkenden Labyrinth aus Statuen. Antike Gottheiten: Buddhas, Pharaonen, Drachen, Madonnen, Gekreuzigte... Wer findet sich noch zurecht auf diesem Skulpturenfriedhof? Wer verheißt Orientierung? Wo sind die echten Heilsbringer?
Für Joan Anton Rechi, Alfons...
Vielleicht ist ja die Fragestellung mittlerweile gänzlich obsolet geworden. Vielleicht gibt es den von der Gesellschaft verkannten, geächteten Künstler als Rebell, als Avantgardist gar nicht mehr. So, wie ihn Richard Wagner mit seiner Figur des Tannhäuser beschreibt. Zumal in Zeiten, in denen die Mechanismen des Marktes das kulturelle Geschehen dominieren: Pop ist...
Eine Aktualisierung der Oper und ihrer Handlung sei ausdrücklich nicht sein erklärtes Ziel, betont Luca Ronconi, Koordinator und Betreuer des für dieses «Intolleranza»-Projekt verantwortlich zeichnenden Studentenkollektivs. Vielmehr gehe es darum, gleichsam
fotografisch «die Erinnerung an die historischen Umstände zu wecken, unter denen das Werk ursprünglich...
