Zeitlos gültig
Eine Aktualisierung der Oper und ihrer Handlung sei ausdrücklich nicht sein erklärtes Ziel, betont Luca Ronconi, Koordinator und Betreuer des für dieses «Intolleranza»-Projekt verantwortlich zeichnenden Studentenkollektivs. Vielmehr gehe es darum, gleichsam
fotografisch «die Erinnerung an die historischen Umstände zu wecken, unter denen das Werk ursprünglich enstanden ist». Und die liegen inzwischen immerhin ganze fünf Jahrzehnte zurück.
Bedauerlicherweise lassen sich aber – allen anders lautenden Erklärungen zum Trotz – aktuelle Parallelen nicht umgehen, haben die Zeitläufte doch selbst auch noch ein Wörtchen mitzureden: «Ogni anno ai primi di novembre/lo stesso sacrificio» («Jedes Jahr Anfang November/dasselbe Opfer»), heißt es im Libretto angesichts der jahreszeitlich bedingten Überschwemmungen, die in Italien, Polen oder auch Brasilien regelmäßig Opfer fordern. Die nukleare Bedrohung (Iran, Nordkorea) besteht weiter, fahrlässig oder zynisch in Kauf genommene Minenunglücke (Chile, China) passieren nach wie vor. «Massenvernichtungswaffen» und Bedrohungen aller Art haben Hochkonjunktur – auch (aber nicht ausschließlich) in Berlusconis Telekratie. Nicht zu vergessen die aktuellen ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Carlo Vitali
Die Bregenzer Festspiele gelten als Hochburg der Solidität. Während es in Salzburg nicht ohne Intrigantenstadel geht und in Bayreuth jahrelang der Kampf ums Erbe tobte, lief am Bodensee alles effizient und geräuschlos. Für Krach sorgte allenfalls das Wetter. Regen bei laufender Vorstellung – das war der schlimmste anzunehmende Unfall. Seit Kurzem aber gibt es...
Am Anfang der Operngeschichte stand die Idee eines Schauspiels, in dem die Worte nicht gesprochen, sondern gesungen werden.1 Die Formeln, mit denen die ersten Opernkomponisten das aus dem Sprechen abgeleitete Singen charakterisierten, heben die Vermittlung zwischen beiden Formen menschlicher Mitteilung hervor: Jacopo Peri etwa teilt mit, dass er in seiner...
Frau Baechle, liegen die Gedichte von Anna Achmatova auf Ihrem Nachttisch?
Natürlich habe ich jetzt einiges von ihr gelesen: das «Poem ohne Held», das zu der Zeit entstand, in der auch die Oper spielt, dazu Erinnerungen, Literatur über die Stalin-Zeit und andere Achmatova-Gedichte. In der Oper selbst kommen allerdings nur zwei Gedichte von ihr vor.
Spielt die reale...
