Das offene «Machwerk»
Musik verbindet, versöhnt, vereint Menschen – nationen- wie generationen- und schichtenübergreifend: als harmonisierende Himmelsmacht. Doch so lieb einem die Vorstellung sein mag: Sie stimmt leider nicht. Denn in kaum einer anderen Kunst sind die Trennlinien so ausgeprägt. Schon E und U stehen für grundverschiedene Welten, auch wenn sie manchmal weniger monolithisch sind, als deren Verfechter zuzugestehen bereit sind. Aber in beiden Sphären sich gleichermaßen auszukennen, ist immer schwieriger geworden. Eine mögliche Einheit rückt in immer weitere Ferne.
Selbst innerhalb der Klassik ist der Konsens oft geringer als erwartet. Oper und Kammermusik, Sinfonik und Klaviervirtuosität, Lied und Kirchenmusik sind keineswegs allen Musikbegeisterten gleich lieb und wert. Sogar konfessionelle Grenzen spielen noch in der eurozentrischen Kultur eine Rolle. Im katholischen oder auch orthodoxen Bereich haben Bachs Chorwerke beileibe nicht die Signifikanz wie im protestantischen, zumal deutschsprachigen Raum. Als Mauricio Kagel im Bach-Jahr 1985 das aparte Paradoxon formulierte: «Es mögen nicht alle Musiker an Gott glauben, an Bach glauben sie alle», war dies ein frommer Wunsch, gibt es doch ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Essay, Seite 74
von Gerhard R. Koch
Na bitte, geht doch! Zwar nicht auf dem Hügel, wo es nach wie vor nur den zehn kanonisierten Musikdramen Wagners gilt. Auch nicht im frisch restaurierten Markgräflichen Opernhaus, dessen Nutzung der Denkmalschutz strikt reglementiert. Sondern in einem als Kulturbühne wiederbelebten alten Kinosaal («Reichshof») ein paar Schritte neben dem alten Schloss im Zentrum...
Es ist allemal löblich, wenn Opernfestivals wie jenes in Heidenheim an der Brenz das frühe Schaffen Giuseppe Verdis systematisch durchforsten. In diesem Jahr ergab sich gar die reizvolle Kombination von «Nabucco» (1842) und «I Lombardi alla prima crociata» (1843). Vor dem Hintergrund des Risorgimento, dem Streben nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit Italiens,...
Aix
Die Anziehungskraft der sommerlichen Festspiele in Aix-en-Provence ist ungebrochen. Rund 85 000 Besucher werden inzwischen pro Saison gezählt. Das Interesse gilt nicht nur den Opernaufführungen, sondern auch öffentlichen Proben oder den Konzerten der seit 20 Jahren bestehenden Akademie für den künstlerischen Nachwuchs. Und dem Genius loci sowieso – jenem...
