Dänisches Musiktheater

Das Label DaCapo dokumentiert Rued Langgaards «Antikrist» und Poul ­Ruders’ «Proces Kafka»

Opernwelt - Logo

Der zweiaktige Feldzug wider das moderne Zeitalter hat Strauss’sches Format. Gewaltig schmetterndes Blech, wogende Streicher, dräuendes Orgelpathos.

Als sich der dänische Komponist Rued Langgaard (1893-1952) drei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs daran machte, der von Gott abgefallenen Menschheit mit einer Kirchen­oper die Leviten zu lesen, verfolgte er vor allem ein Ziel: Unter dem Eindruck seines «Antikrist» sollte dem Publikum Hören und Sehen vergehen, aus dem Sturm der apokalyptischen Klänge und Texte sollte es geläutert hervorgehen und so auf den Pfad christlicher Tugenden zurückkehren.
Am Königlichen Theater Kopenhagen indes, dem Langgaard das abendfüllende Erweckungswerk 1924 zur Aufführung anbot, winkte man ab: Das Stück sei «obskur und in hohem Maße unverständlich». Auch eine 1930 fertig gestellte Überarbeitung des allegorischen Mysterienspiels, das mit der Entsendung des Teufels auf die Welt anhebt, Gestalten aus dem (mittelalterlichen) Lasterkatalog aufbietet (Hoffart, Hoffnungslosigkeit, Begierde, Streit) und mit einer Chorhymne auf den himmlischen Erlöser endet, stieß auf keinerlei Interesse. Erst 1980 sorgte Michael Schønwandt mit dem Dänischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: DVDs, Seite 55
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Produktive Überforderung

Wer in Taipeh bestehen will, muss clever sein, sagt Kuang-Ching Sung, erster Posaunist des Nationalen Symphonie Orchesters von Taiwan (NSO). Offen für alle Wechselfälle des Lebens und vor allem schnell. Wohl wahr. Das Tempo der Millionenstadt am Nordwestrand der Insel, die seit 1949, nach der Flucht der von Maos Volksarmisten geschlagenen Kuomintang, als...

«Vor allem das Ensemble»

Herr Richter, wenn Sie die zurückliegenden zehn Jahre als Intendant der Deutschen Oper am Rhein Revue passieren lassen – was fällt Ihnen spontan zu den Stichworten «größtes Glück» und «größtes Ärgernis» ein?
Das größte Glück für mich war, dass es mir gelungen ist, wieder ein großartiges Ensemble aufzubauen. Das bedeutet heute etwas völlig anderes als zu der viel...

Magie des Kinos

Die Saison mit einer Neuinszenierung zu eröffnen, ist im Opernbetrieb weltweit gang und gäbe. Die Met jedoch hatte sich seit 1987 für Revivals und hochkarätig besetzte Star-Galas entschieden, deren Programme sich aus herausgelös­ten Akten verschiedener Opern zusammensetzten. Peter Gelb, der Intendant (und bis vor kurzem umstrittener Chef von Sony Classical) hat...