Comedy mit Köpfchen
Einer fegt. Gegen Ende der neuen Zürcher «Zauberflöte» kehrt jemand den letzten Rest Reisig zusammen, der die Szene noch verunzierte: Ordnung, Sauberkeit, Kultur, wo lange Natur, Wildnis, Urzustand herrschten. Aufgeräumtheit, wo vorher abgeholztes Gestrüpp herumlag. Licht, wo bis dato Feuer war. Und das von Bühnenbildner Klaus Grünberg zentral platzierte Haus, das dank Drehbühne immerzu von allen Seiten zu sehen ist, präsentiert sich nicht mehr wie eine vom Pleitegeier befallene Baustelle.
Es ist fertig, hat statt Luken richtige Fenster mit trauten Lämpchen dahinter, und Sarastros Auserwählte frönen, jeweils selbzweit, der heimeligen Gemütlichkeit. Wir haben es anscheinend mit dem Domizil der Weisheit, des Verstandes, der Vernunft zu tun. Gewiss, nicht alle Spuren einer unguten Vergangenheit mit Arroganz und Willkür der herrschenden Kaste, mit Rassismus und Frauenfeindlichkeit sind getilgt, aber man ist unterwegs. Ein Schritt hin zur Aufklärung ist getan.
Der vergleichsweise junge Sarastro mit seinen Planzeichnungen ist der Architekt dieses Neubaus. In Joppe, Pullover, mit offenem Hemdkragen (Kostüme: Silke Willrett) erscheint er als nachdenklicher Mensch, als einer, der auf ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Heinz W. Koch
Es war ein Traum. Und eine Riesenanstrengung. Aber auch ein Sog, der alle mitriss. Noch immer klingt sie nach, die «Wiederentdeckung» der Opernsaison 2012/13, Meyerbeers letzte Grand opéra. Als Bernhard Helmich und Frank Beermann vor rund zehn Jahren beschlossen, das unter dem Namen «L’Africaine» bekannte Schmerzenskind des Komponisten endlich in der ursprünglichen...
Siehst du nicht mein fremdes Gesicht? Siehst du die fremden Augen nicht?» Sou Chong warnt Lisa, dennoch folgt sie ihm nach China. Und muss dort erkennen, dass die schöne Idee von der glücklichen Verbindung zweier Kulturen nicht aufgeht. Ende 1929 ging es zum ersten Mal ins «Land des Lächelns». Am Berliner Metropol-Theater, zwei Wochen vor dem Schwarzen Freitag. In...
Seit den 1980er-Jahren posieren sie in und um Covent Garden für Touristen: kupferne Zenturionen, silberne Schornsteinfeger oder vornehme Stadtbürger in Bronze. David McVicar war der erste Regisseur, der einen dieser edelmetallisch glänzenden Straßenkünstler ins Royal Opera House holte. Duncan Meadows hieß der muskulöse Mime – er verkörperte in McVicars...
