Editorial
Siehst du nicht mein fremdes Gesicht? Siehst du die fremden Augen nicht?» Sou Chong warnt Lisa, dennoch folgt sie ihm nach China. Und muss dort erkennen, dass die schöne Idee von der glücklichen Verbindung zweier Kulturen nicht aufgeht. Ende 1929 ging es zum ersten Mal ins «Land des Lächelns». Am Berliner Metropol-Theater, zwei Wochen vor dem Schwarzen Freitag. In einer vor Spannungen bebenden Welt. Franz Lehár war zu der Ansicht gelangt, mit «Oberflächlichkeiten» seien die Leute nicht mehr zu gewinnen. In seinem Stück thematisierte er tiefliegende Ängste vor allem Fremden.
Und räumte auf mit der «Lüge des Happy Ends». Auf seine Weise. Das Thema scheint heute aktuell wie nie.
Eskapistisch klang das nicht gerade. Eher nach einer Sprache, die das Lebensgefühl in Krisenzeiten traf. Das Stück ist ein Sonderfall – doch doppelbödig sind viele Operetten: «Lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen.» Erlebt das oft schon totgesagte Genre deshalb derzeit einen Boom wie lange nicht mehr? Nicht nur auf «leichte Muse» spezialisierte Bühnen wie das Münchner Gärtnerplatztheater haben regen Zulauf (Seite 66). Auch Häuser, die sich vor allem für große Oper zuständig fühlen, pflegen das Genre wieder. ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Albrecht Thiemann & Wiebke Roloff
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