Banalität des Bösen
Vielleicht ist der Zusammenhang zufällig. Aber der Auftrieb der nationalistischen Kräfte in Deutschland und ihre Versuche, die Geschichte des Rassismus nach ihrer Ideologie zu «korrigieren, scheint die Theater zu deutlichen Stellungnahmen zu animieren.
Dazu gehört die Konjunktur von Viktor Ullmanns Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis», die im Konzentrationslager Theresienstadt komponiert und von einem hochkarätig besetzten Ensemble – darunter der Dirigent Raphael Schächter und der Bariton Karel Berman – im Sommer 1944 bis zur Generalprobe einstudiert wurde; danach wurden die meisten Mitwirkenden ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. In Wien, Dresden und Köln stand das Werk auf dem Spielplan, demnächst folgen Kaiserslautern und Basel. Und auch an der Werkstattbühne der Bonner Oper wurde das Stück gegeben, in Zusammenarbeit mit dem Beethovenfest, das unterm Generalthema «Schicksal» nicht nur des Meisters Fünfte, sondern auch manche durch Krieg und Verfolgung traumatisierte Musik des 20. Jahrhunderts vorgestellt hat.
Dabei ist die Inszenierung von Ullmanns Meisterwerk, das parabelhaft, aber unverkennbar spiegelbildlich auf den Terror der Nazis und die Grauen ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Michael Struck-Schloen
Man schreibt das Jahr 2004, da suchte das Theater Heidelberg einen Generalmusikdirektor. Ein Hannoveraner überzeugte beinahe alle – nur das Orchester hielt ihn mit 24 Jahren für zu jung. Widerwillig billigte es dem Aspiranten eine Probe-Aufführung zu, «Tannhäuser». Er kannte das Stück als Korrepetitor, dirigiert hatte er es nicht. Und so betrat er am 3. Juni,...
Musik wie hinter einem Schleier, erkennbar und fremd, tieftraurig und schwelgerisch schön. Oboen setzen mit einer Klagebewegung ein, der Chor öffnet in sanfter Wiegenbewegung den Klangraum nach oben: «Zu dir in Demut eil’ ich, mach du mich fromm und rein.» Der Sohn ist tot. Ein Hoffnungsträger wurde geschlachtet. Golgatha ist nah, Bachs «Matthäus-Passion» auch....
Sie meinen es wirklich ernst in Halle mit dem Versuch, sowohl dem Publikum als auch den Künstlern die Wahrnehmungs- und Erfahrungsgewohnheiten der Oper radikal zu öffnen. Nach «Heterotopia» in der Spielzeit 2016/17 hat Sebastian Hannak erneut eine Raumbühne ins gediegen-prächtige Opernhaus gewuchtet, die die Grenzen von Zuschauerraum und Bühne aufhebt. «Babylon»...
