Affentheater, dekonstruktiv und kathartisch
Sie meinen es wirklich ernst in Halle mit dem Versuch, sowohl dem Publikum als auch den Künstlern die Wahrnehmungs- und Erfahrungsgewohnheiten der Oper radikal zu öffnen. Nach «Heterotopia» in der Spielzeit 2016/17 hat Sebastian Hannak erneut eine Raumbühne ins gediegen-prächtige Opernhaus gewuchtet, die die Grenzen von Zuschauerraum und Bühne aufhebt. «Babylon» heißt der zweite Versuch – eine metallene Konstruktion, die rauer, provisorischer wirkt als ihre leicht aseptische Vorgängerin und Orchester wie Besucher noch konsequenter in den Erlebnisort einbezieht.
In der dritten Aufführung von Verdis «Messa da Requiem» gibt es selbst unter langjährigen Abonnenten kein Murren, wenn gleich zu Beginn Personal in weißen Schutzanzügen in eine Kammer bittet und dort Affenkostüme verteilt. Noch während das Orchester auf seinen Einsatz wartet, tobt auf der Raumbühne bereits laut- und sprungstark eine ebenso verkleidete Horde aus Choristen und Statisten herum. Und sobald der Chor raunend das «Requiem aeternam» anstimmt, sieht man sich vom Klang regelrecht umzingelt.
Intendant Florian Lutz inszeniert Verdis Totenmesse als postapokalyptische Zukunftsvision: Nach einer nicht näher bezeichneten ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Regine Müller
Ein Gipfeltreffen der besonderen Art: Birgit Nilsson und Leonard Bernstein in ihrer einzigen gemeinsamen Aufnahme. «Fidelio», konzertant in Rom 1970. Dabei war das Ganze eigentlich nur eine Art Generalprobe. Bernstein hatte «Fidelio» bei den Wiener Festwochen des Beethoven-Jahres 1970 zugesagt, aber noch nicht dirigiert. Debüts in prominentem Rahmen waren damals...
Das Mittelmeer hieß im Römischen Reich mare nostrum, unser Meer, das Meer der Europäer. Wir sind nicht für jedes Leid der Welt zuständig. Für das Leid in unserem Meer sind wir zuständig. Wenn wir den Tod im Mittelmeer verhindern können, müssen wir ihn verhindern.» Das schrieb Jakob Augstein im Juli dieses Jahres im «Spiegel» in einem moralischen Appell unter dem...
Der Kollege gab sich ziemlich ernüchtert. Die alte Fassung besitze doch eine «eigenartige, wilde Schönheit», urteilte Hans Werner Henze. An der neuen beklagte er die «Rückkehr zur Tonalität», weshalb der Urversion von Paul Hindemiths «Marienleben» aus dem Jahre 1923 unbedingt der Vorzug zu geben sei. Auch als Signal: Die junge Tonschöpfer-Generation habe...
