Mechanismen der Angst
Musik wie hinter einem Schleier, erkennbar und fremd, tieftraurig und schwelgerisch schön. Oboen setzen mit einer Klagebewegung ein, der Chor öffnet in sanfter Wiegenbewegung den Klangraum nach oben: «Zu dir in Demut eil’ ich, mach du mich fromm und rein.» Der Sohn ist tot. Ein Hoffnungsträger wurde geschlachtet. Golgatha ist nah, Bachs «Matthäus-Passion» auch. Knapp zwei Minuten lang. Dann folgt ein harter Schnitt, und der neue Hoffnungsträger hat das Wort. In gleißendem Klanggewand propagiert er seine Herrlichkeit: «Bald werde ich euch erscheinen.
»
Eine der faszinierenden Scharnierstellen in «Die Bassariden». Hans Werner Henze verändert immer wieder die Perspektive, spielt mit Hör- und Denkrichtungen, rückt die Figuren aus den «Bakchen» des Euripides in wechselndes Licht. Pentheus, der junge Herrscher von Theben zum Beispiel, ist alles andere als ein Opferlamm. Zu Beginn der Oper wird er mit Zwölftonmodi charakterisiert: eine kühle, bizarre Musik mit großen, unnatürlichen Intervallsprüngen. Pentheus erscheint da als hart durchgreifender Diktator, der Aberglauben und Ausschweifungen mit Gewalt ausschaltet und vor allem die Ehre seiner Tante Semele hochhalten will. Deren ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Sie sind zwar bloß aus Papier oder Plastik, doch sie bergen tiefe Gefühle: Alljährlich im November stecken Briten sich im Gedenken an die Verheerungen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts Mohnblüten ans Revers. Der 11. November (an dem im Jahr 1918 der Erste Weltkrieg endete) ist «Remembrance Day», informell auch «Poppy-Day» genannt, in Anlehnung an das Gedicht...
Die Schlüsselfigur: ein Dichter. Schon vor Beginn der eigentlichen «Handlung» in Thomas Larchers Kammeroper «Das Jagdgewehr» ist er unwillentlich zu ihrem Auslöser geworden, hat er doch nach flüchtiger Begegnung mit einem Jäger dieses Erlebnis sogleich poetisch verarbeitet. Es war ihm so vorgekommen, als drücke die Churchill-Doppelflinte des Fremden, der mit...
Dirigententreffen
Die Schweiz im «Così»-Fieber: Gleich drei Häuser bringen Mozarts spätes Dramma giocoso heraus. In Zürich ist eine auf Konzepten von Kirill Serebrennikov basierende Inszenierung zu sehen, die Cornelius Meister dirigieren wird, in Lausanne wagen sich Regisseur Jean Liermier und GMD Kevin John Edusei an das heikle Werk, in Bern Maximilian von...
