Aus dem Leben eines Taugenichts
Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.
Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche abschütteln wie eine lästige Fliege, die aber den meisten Sängern Schaum vor den Mund treibt. Die Rede ist von Strichen.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hab nichts gegen Striche. Im Gegenteil.
Es gibt ja Kollegen, die machen Basilio in «Le Nozze di Figaro» nur, wenn seine Arie nicht vorkommt. Während ich mir denke: Hallelujah! Denn wieso man die singen, geschweige denn einem Publikum zumuten will, ist mir ohnehin ein Rätsel. Auf die Idee kann eigentlich nur kommen, wem Narzissmus die Vernunft vernebelt hat.
Was mich zum Kochen bringt, sind die strichkulturellen Umgangsformen. Beliebt sind folgende Varianten: a) Dirigent und Regisseur wissen, was sie streichen wollen, sagen’s aber nicht den Sängern. b) Dirigent und Regisseur beschließen, sich erst im Probenprozess Gedanken über die Striche zu machen – wiederum auf ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Christopher Gillett
So einem Siegfried begegnet man selten. Einem, der nicht nur über den ganzen Abend stark vor-, sondern kurz vor Schluss auch noch eine Spitzenleistung hinlegt. Atemlos lauscht man da, wie Thomas Mohr seinem Rollendebüt die Krone aufsetzt. Wie er als Wagners verstrickter Erlösungsrecke am von Hagen gereichten Gegengift zum Vergessenstrank nippt und sich plötzlich...
Ein zerstreuter Flaneur könnte es glatt übersehen, das Konserthus am Götaplatsen. Wie das vis-à-vis gelegene Stadsteater kauert der Bau im Schatten des stirnseitig auf einem Plateau thronenden Konstmuseums. Die Vorzüge des von dem schwedischen Architekten Nils Einar Eriksson entworfenen, 1935 eröffneten Quaders finden sich im Inneren. Alles kündet hier von einer...
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...
