EX ORIENTE: Goldmarks «Königin von Saba» aus Freiburg
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im Theater Freiburg eine gekürzte Fassung erstellte, wurden für die Aufnahmesitzungen (im Konzerthaus) auch der Einzugsmarsch, die Einleitung zum zweiten Akt und das Ballett im dritten Akt berücksichtigt.
Fabrice Bollon sucht mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg sowohl nach den grell leuchtenden Farben als auch dem diskreten Schillern, dem orientalischen Funkeln in Goldmarks Partitur. Meist wird er fündig. Man könnte an einigen Stellen über elegantere Übergänge, auch andere Kleinigkeiten streiten, doch das klangüppige Schwelgen, die großen dynamischen Steigerungen gelingen sehr plastisch, seidig klingen die Streicher.
Irma Mihelic liefert als Sulamith ein wunderbar anschauliches Rollenporträt, lyrisch und zart, klar in der Tongebung, fein in den Schattierungen. Auch der junge thailändische Tenor Nuttaporn Thammathi als ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Christoph Vratz
In «Die Dämonen» berichtet Heimito von Doderer von einer Person, in der «Meuterei ausgebrochen» sei, «ein Rückzug von all dem Leben und Gewimmel rund um sie, das so vielfach an ihren zahlreichen Traurigkeiten und Niedergeschlagenheiten kalt vorbeigebraust war». Von Franz Schubert ist an dieser Stelle nicht die Rede, doch könnte man dies durchaus auf ihn beziehen;...
Wer heute im Reich der Toleranz wandelt, dürfte eher Schattengestalten begegnen, wogegen im Land der irrationalen Wut gegenüber Anders-Denkenden/Gläubigen heilloses Gedränge zu herrschen scheint. Wie nähert man sich unter solchen Vorzeichen den Idealen der Aufklärung? Wie zeichnet man Selim, den Pascha, der weise ist wie Lessings Nathan und im Vergeben großherzig?...
Sein oder nicht sein? Das ist an GöteborgsOperan nicht die Frage. Stephen Langridge, seit zwei Jahren künstlerischer Kopf des Musiktheaters, lässt für die schwedische Erstaufführung von Ambroise Thomas’ «Hamlet» verschiedene Varianten des Endes spielen. Als Thomas seine Antwort auf Gounods «Roméo et Juliette» 1868 an der Pariser Opéra herausbrachte, ging der...
