Schuberts Dämonen
In «Die Dämonen» berichtet Heimito von Doderer von einer Person, in der «Meuterei ausgebrochen» sei, «ein Rückzug von all dem Leben und Gewimmel rund um sie, das so vielfach an ihren zahlreichen Traurigkeiten und Niedergeschlagenheiten kalt vorbeigebraust war». Von Franz Schubert ist an dieser Stelle nicht die Rede, doch könnte man dies durchaus auf ihn beziehen; ja, es klingt nachgerade so, als hätte Doderer, als er das schrieb, gerade Schuberts schwermütig getöntes C-Dur-Streichquintett gehört.
Eventuell auch in der Interpretation von Quatuor Ebène – falls man im Himmel Platten hört. Es wäre passend, denn die Interpretation der jungen Franzosen ist, wie man so sagt, «himmlisch», geht unter die Haut, bringt uns aber auch die Hölle Schuberts in dessen letztem Lebensjahr nahe, lässt die Dämonen dieser Musik spüren. Die vielseitigen jungen Herren, gelegentlich auch im Pop-Bereich tätig und in dem Zusammenhang einmal als «Boygroup der Streichquartettszene» etikettiert, liefern hier (verstärkt durch den Cellisten Gautier Capuçon) einen interpretatorischen Präzedenzfall dieses so fordernden Werks.
Für das dritte Drittel des Albums steuert dann Matthias Goerne fünf Lieder bei. Auch in ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
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